Wirtschaft : Opel: Hohe Verluste

Seinen Wiedereinstieg bei Opel hätte sich Walter Borst mit Sicherheit angenehmer vorgestellt. Doch der neue Finanzchef der Rüsselsheimer General Motors (GM)-Tochter, der schon von 1995 bis 1997 als Controller im Opel-Werk Rüsselsheim arbeitete, wird für 2000 über einen herben Verlust berichten müssen. Seit vier Monaten arbeitet der Deutschamerikaner wieder bei Opel, am 1. Oktober hat er seine Arbeit als Finanzchef offiziell von seinem Vorgänger Henning Klages übernommen. "Wir können mit den Zahlen nicht zufrieden sein", sagte der 39-Jährige dem Tagesspiegel. Es gebe aber im Autogeschäft immer Zyklen, versucht er zugleich Zuversicht auszustrahlen.

In Unternehmenskreisen wird mittlerweile bestätigt, dass der operative Verlust nach derzeitigen Schätzungen bei rund 450 Millionen Mark liegen wird. Das wären rund 225 Millionen Mark mehr als 1999. Eigentlich wollten die Rüsselsheimer in diesem Jahr wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Allerdings hatte Wolfgang Strinz, der stellvertretende Vorstandschef, schon Ende August eingeräumt, dass daraus angesichts des enttäuschend verlaufenden Autojahres nichts werde. Für das gesamte Jahr rechnet Strinz mit einem Absatzrückgang in Deutschland um etwa 90 000 Fahrzeuge. 1999 waren hierzulande noch 525 000 Opel-Pkw zugelassen worden. Opel werde aber den Verlust des Vorjahres drücken, sagte Strinz vor sechs Wochen.

Aber auch dies ist mittlerweile Makulatur, auch wenn sich der neue Finanzchef im Detail nicht äußern will. Strinz und Borst setzen freilich darauf, dass der neue Corsa, der seit dem Wochenende bei den Händlern steht, und der neue Kleinwagen Agila die Bilanz in den letzten drei Monaten noch etwas verbessern können. Borst gibt sich alle Mühe, das Bild bei Opel in besserem Licht darzustellen. Er verweist auf die hohen Investitionen des Unternehmens, zum Beispiel in den Neubau des Werkes in Rüsselsheim und auf die weiter offensive Modellpolitik. Dafür werden bis 2004 rund neun Milliarden Mark aufgewendet, die natürlich auch zu verkraften seien. Allein für die neue Fabrik am Stammsitz in Rüsselsheim gibt Opel in den nächsten Jahren 820 Millionen Mark aus. Ab 2002 sollen dort die ersten Fahrzeuge von den Bändern laufen. Borst gilt schon jetzt als neuer Hoffnungsträger in Rüsselsheim. Der 39-Jährige, dessen Vater bereits bei Opel gearbeitet hat, war bis Sommer zweiter Mann der Treasury-Abteilung von GM in New York und hat damit die Kasse des Autoriesen mit verwaltet. Von 1987 bis 1994 war Borst in verschiedenen Funktionen für den Konzern in den USA tätig, 1994 wechselte er in die GM- Europa-Zentrale nach Zürich, bevor er von 1995 bis 1997 das erste Mal im Werk Rüsselsheim als Controller aktiv war. Borst geht davon aus, dass er bis Herbst 2003 unter der Regie von Opel-Chef Robert Hendry arbeiten wird. Von einem vorzeitigen Abschied des derzeitigen Opel-Chefs wisse er nichts, sagte Borst dem Tagesspiegel.

Seit Wochen häufen sich Berichte, wonach Hendry, der im November 1998 zu Opel kam, seinen Fünf-Jahres-Vertrag nicht erfüllt und spätestens Ende 2001 geht. Nachfolger soll angeblich Ex-BMW-Vorstandsmitglied Carl-Peter Forster werden. Offiziell gibt es dafür in Rüsselsheim keine Bestätigung. Dort verweist man auf die Zuständigkeit des Aufsichtsrats. Und der wird von GM-Europa-Chef Michael Burns in Zürich geführt.

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