Wirtschaft : Opel kauft sich Zeit

-

Von Rolf Obertreis

Bei anderen Firmen sollen die Mitarbeiter 40 oder gar 45 Stunden in der Woche ran. Und trotzdem werden gleichzeitig noch Arbeitsplätze gestrichen. Bei Opel dagegen begnügt man sich für die nächste Zeit mit 30 statt wie bisher mit 35 Stunden. Damit sichert das Unternehmen für 1200 qualifizierte Mitarbeiter den Arbeitsplatz – obwohl die Firma einen teilweisen Lohnausgleich gewährt. Bezahlt nämlich werden 32,6 Stunden. Möglich ist das, weil andere Beschäftigte ebenfalls Verzicht üben und unbezahlte Mehrarbeit leisten. 85 Euro weniger im Monat sind für viele der betroffenen 5500 Opelmitarbeiter ein empfindlicher Schnitt. Doch sie behalten ihren Job.

Vorstand und Betriebsrat in Rüsselsheim machen vor, wie es auch in schwierigen Zeiten mit Zugeständnissen von allen Seiten gehen kann. Schließlich weiß auch der Vorstand, was er in die Ausbildung seiner Mitarbeiter gesteckt hat und wie teuer es wäre, jetzt Abfindungen und Sozialpläne für Beschäftigte verhandeln zu müssen, die man vielleicht in einem Jahr schon wieder anheuern müsste. Die neue Vereinbarung bei Opel zeigt auch, auf welch hohes Maß an Flexibilität sich die Tarifparteien einigen können.

Opel verschafft das neue Bündnis eine weitere Atempause. Viel Spielraum hat Vorstandschef Claus-Peter Forster allerdings nicht mehr. Das Unternehmen muss im nächsten Jahr die Gewinnzone erreichen. Und das kann kaum mit weiteren Sparprogrammen gelingen. Vielmehr hängt alles am Erfolg der jüngsten Produkte. Der neue Vectra Caravan und der neue Astra müssen beim Kunden ankommen. Das Potenzial dazu haben beide Modelle. Bei Opel werden mittlerweile, da sind sich zumindest die Experten einig, wieder innovative und gute Autos gebaut. Insofern ist nicht 2003, sondern das kommende Jahr die entscheidende Phase für die General Motors-Tochter. Dann sollte die Rückkehr in die schwarzen Zahlen gelingen. Schafft Opel das nicht, werden auch innovative und von Solidarität geprägte Betriebsvereinbarungen wenig helfen. Dann wird auch Opel nicht um einen Personalschnitt herumkommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar