Organisierte Kriminalität : Bargeld ist besser als sein Ruf

Die Deutsche Bank ist überzeugt: Die Bedeutung von Münzen und Scheinen für Kriminelle wird überschätzt.

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Bares bleibt Wahres: Die Deutsche Bank glaubt an die Zukunft des Bargeldes. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Bares bleibt Wahres: Die Deutsche Bank glaubt an die Zukunft des Bargeldes. Foto: Daniel Reinhardt/dpaFoto: dpa

Die Volkswirte der Deutschen Bank sehen es ähnlich wie die der Bundesbank – eine Abschaffung des Bargeldes – das Aus für Münzen und Banknoten – ist für sie keine Option. Zwar sei die Notwendigkeit von Bargeld in Zeiten zunehmender elektronischer Zahlungen nicht mehr selbstverständlich, heißt es in einer neuen Studie der Bank („Bargeld, Freiheit und Verbrechen: Bargeld in der digitalen Welt“) zum heiß diskutierten Thema. „Jedoch sollten Tatsachen und nicht Gefühle die Debatte über die Zukunft des Bargeldes bestimmen, wenn auch nur begrenzt Daten zur Bargeldnutzung existieren“, schreibt Volkswirtin Heike Mai.

Eines ist für die Bankerin klar: „Die Abschaffung von Bargeld wird gewinnorientierte Kriminalität nicht beseitigen.“ Beim Transfer von Einnahmen aus illegalen Geschäften gebe es längst Alternativen zur Barzahlung.

Mai verweist dabei auf das Beispiel Schweden. Dort sinken der Bargeldumlauf und der Anteil von Barzahlungen seit Jahren. Trotzdem sei die Zahl der gemeldeten Geldwäschedelikte gestiegen. Und auch Betrügereien bei Zahlungen mit Karten oder mit gestohlenen Kartendaten hätten enorm zugenommen.

Bargeld könne zwar nicht nachverfolgt werden, schreibt Mai. Aber es gebe trotzdem nur wenige Daten darüber, dass es ohne Bargeld weniger Korruption und Kriminalität gäbe. Richtig sei allerdings, dass es etwa in den USA bei einer Senkung des Bargeldumlaufs in ärmeren Stadtvierteln weniger Überfälle gebe oder in Schweden die Zahl der Überfälle auf Bankfilialen gesunken sei.

Bei der organisierten Kriminalität, vor allem im Drogenhandel und bei Geldwäsche, spielt Bargeld der Studie zufolge nach wie vor eine große Rolle. Wichtiger für das organisierte Verbrechen seien aber Einnahmen aus Steuer- und Finanzbetrug. „Und diese Finanzflüsse werden sehr wahrscheinlich weniger in Form von Barzahlungen abgewickelt, wie der Skandal um die Panama-Papiere nahelegt.“ Und auch zur Bekämpfung des Terrors könne eine Abschaffung des Bargeldes, so die Studie, wohl nur wenig beitragen. Bei der Analyse von 40 Terroranschlägen in Europa mit dschihadistischem Hintergrund habe sich herausgestellt, dass der größte Teil des benötigten Geldes aus eigenen Quellen der Täter gestammt habe. Und drei Viertel der Anschläge seien mit einen Kostenaufwand von insgesamt weniger als 10 000 Dollar durchgeführt worden. „Das sind Geldbeträge, die kaum Verdacht erregen, selbst wenn sie mit Karte bezahlt werden.“

In der Euro-Zone jedenfalls steigt trotz aller Debatten über die Einschränkung des Bargeldes und die Abschaffung von großen Banknoten – die Ausgabe des 500 Euro-Scheins wird 2018 eingestellt – der Bargeldumlauf weiter. 1,1 Billionen waren es im dritten Quartal 2016, drei Mal so viel wie im 1. Quartal 2003. Bargeld in der Euro-Zone hat der Studie zufolge im Vergleich zu Bankeinlagen einen unschätzbaren Wert. „Es bietet seinem Besitzer Schutz vor Verlust durch eine Bankenpleite.“ Allerdings gibt es für Bargeld keine Zinsen und es kann gestohlen werden. Es bestehe aber die Gefahr eines Bankensturms, indem Anleger bei einer Bankenkrise geballt ihr Geld abzögen und das Institut dann tatsächlich in die Pleite stürzten. Das passiere allerdings auch, wenn Kunden massenhaft per Überweisung ihr Geld an andere Banken schickten.

Bargeld könnte schließlich auch wichtig sein im Zusammenhang mit der Nullzins- und Negativzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Allerdings gibt es deshalb und wegen Nullzinsen oder gar Negativzinsen der Studie zufolge noch keinen massiven Abzug von Bargeld von Bankkonten, auch nicht von Großanlegern. Bekannt wurde nur, dass die Münchner Rück im vergangenen Jahr Gold und eine zweistellige Millionensumme Bargeld in ihrem Tresor einlagerte – aber nur zu Testzwecken.

Unter dem Strich argumentiert die Deutsche Bank in ihrer Studie ähnlich wie die Bundesbank. Sie spricht sich gegen die Abschaffung von Bargeld aus. „Die Entscheidung zwischen Bargeld und Buchgeld auf elektronischen Konten sollte den Nutzern überlassen bleiben, denn sie sind gleichzeitig auch Bürger, Steuerzahler, Verbraucher und Produzenten.“ Und eine Abschaffung oder weitgehende Einschränkung der Bargeldnutzung wäre mit dem Risiko verbunden, so Autorin Mai, das Vertrauen der Bürger in staatliche Behörden zu untergraben.

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