Ortstermin : Warten auf Thilo Sarrazin

15.10.2009 22:39 UhrVon Miriam Schröder

Wie sieht einer aus, an dem sich die Gemüter so erhitzen wegen seiner provokanten Äußerungen über Kopftuchmädchen und der vor zwei Tagen dafür von der Bundesbank abgestraft wurde? Diese Frage beschäftigte vor allem die Medien bei Sarrazins Auftritt bei den "Berliner Wirtschaftsgesprächen".

BerlinBerlin - Wie sieht einer aus, an dem sich die Gemüter so erhitzen wegen seiner provokanten Äußerungen über Unterschicht und Kopftuchmädchen und der vor zwei Tagen dafür abgestraft wurde, indem man dem Bundesbanker seine wichtigste Aufgabe, die Aufsicht über das Bargeld, entzogen hat? Darauf lauern die rund 100 Zuhörer bei den „Berliner Wirtschaftsgesprächen“, die Thilo Sarrazin an diesem Donnerstagabend zur Diskussion geladen haben. Doch was das betrifft, werden sie enttäuscht, vor allem die Fernsehleute, die sich für diese Veranstaltungsreihe sonst nie interessieren. „Ordnungspolitische Rahmenbedingungen der Finanzmärkte“ heißt das Thema und um nichts anderes geht es auch.

Als Sarrazin im 17. Stock bei Price Waterhouse Coopers am Potsdamer Platz aus dem Fahrstuhl steigt, würdigt er die Kameraleute keines Blickes. Als die Redner auf dem Podium vorgestellt werden, starrt vor sich hin. Kein Wort, nicht mal einen Witz macht Gastgeber Wolfgang Wagner zur Begrüßung. Er fragt, welche Regeln es braucht, damit sich die Krise nicht wiederholt. Als Sarrazin an der Reihe ist, erklärt er dem Publikum, dass die Banken bis zum Ausbruch der Krise nicht gewusst hätten, wie gefährlich ihre Geschäfte waren. Er sagt, die Aufsicht hätte es auch nicht gewusst, und dass das die Aufgabe der Zukunft sei: Dass die Banken weltweit von Leuten beaufsichtigt werden, die nicht nur Haken für ordentliche Buchführung machten, sondern auch Risiken einschätzen könnten.

Als der Nächste redet, bläst Sarrazin immer wieder seine Backen auf. Wie ein trauriger Clown sieht er aus. Vielleicht langweilt er sich. Vielleicht will er den Kameras auch sagen: „Hey, Ihr seid mir alle sowas von egal.“ Vielleicht denkt er aber auch darüber nach, dass er eigentlich an der richtigen Stelle saß, bei der Institution, die künftig die Bankenaufsicht innehaben wird, dass er eine wichtige Rolle hätte spielen können bei der Neuordnung der Finanzmärkte und dass er diese Chance jetzt verspielt hat. Ja, genau so sieht er aus.

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