Wirtschaft : Ost-Chemie leidet unter der Konjunkturflaute

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Die chemische Industrie in Ostdeutschland leidet unter der Konjunkturflaute. "Wir rechnen mit einer deutlich schwächeren Wachstumsrate als noch zu Beginn des Jahres", sagte Ralf Siegert, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Nordostchemie, dieser Zeitung. Im vierten Quartal werde mit einem Umsatzrückgang von bis zu drei Prozent gerechnet. In den ersten neun Monaten hatten die Unternehmen den Umsatz noch um knapp zehn Prozent gesteigert. Entlassungen soll es vorerst nicht geben.

Der Konjunkturabschwung hat die gesamte Chemie-Industrie in eine Krise geführt, die durch die Folgen der Terroranschläge vom 11. September noch verstärkt wurde. Da die Branche Vorleistungsgüter produziert, zeigt sich die Konjunkturkrise unmittelbar: Weltweit sind bereits Tausende von Stellen gestrichen und Werke geschlossen worden. Die ostdeutsche Branche, die noch Anfang des Jahres mit einem zweistelligen Umsatzplus gerechnet hatte, trifft die Krise verspätet. Das liegt auch an der Sondersituation nach der Wende: Anfang der neunziger Jahre standen die maroden DDR-Chemiekombinate vor dem Ende. In den letzten zehn Jahren wurden einschließlich öffentlicher Förderung insgesamt 25 Milliarden Mark investiert, um die Standorte zu modernisieren. "Der Aufbau des Hauses Chemie ist abgeschlossen", sagte Siegert, "jetzt folgt der Innenausbau."

Die Hoffnung der ostdeutschen Chemieunternehmen liegt auf den mittel- und osteuropäischen Märkten, zu der traditionell enge Verbindungen bestehen. Schon jetzt erzielt die überwiegend mittelständische Branche dort zweistellige Zuwachsraten. Allein die Berlin-Chemie, eines der größten Mitgliedsunternehmen der Verbandes, will ihren Umsatz in Russland in diesem Jahr um rund 60 Prozent auf 100 Millionen Mark steigern.

Andererseits könnte die EU-Osterweiterung die Unternehmen in den Neuen Bundesländern aber auch vor große Probleme stellen, befürchtet Verbandschef Siegert. Die bisher reichlichen Fördermittel aus EU-Töpfen könnten in den Neuen Bundesländern künftig sehr viel spärlicher fließen - zugunsten der Beitrittsländer. "Das hätte katastrophale Folgen für die Chemiebranche", sagt er. Darüberhinaus warnt Siegert vor einer "Sogwirkung" bei den Arbeitskräften.

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