Wirtschaft : Ost und West driften auseinander

Umfrage von Creditreform beim Mittelstand: Im Westen geht es aufwärts BERLIN (olm).Die mittelständische Wirtschaft in Ost und West driftet auseinander.Während sich die Lage in Westdeutschland 1997 eindeutig verbessert habe, verschlechterte sie sich im Osten, stellte der Wirtschaftsauskunftsdienst Creditreform am Mittwoch in seiner Frühjahrsumfrage fest.Der Aufschwung im Westen festige sich.Die Wachstumsdynamik der ostdeutschen Wirtschaft habe sich davon abgekoppelt.Diese Entwicklung werde 1998 andauern und sei auch für 1999 zu befürchten. In Westdeutschland ist der Mittelstand zum Hoffnungsträger für den wirtschaftlichen Aufschwung geworden.Investitionen, Aufträge und Umsätze zeigen im Vergleich zum Vorjahr in fast allen Wirtschaftsbereichen nach oben und lassen Rückschlüsse auf eine positive Konjunkturentwicklung zu.In Ostdeutschland hat sich dagegen die Situation innerhalb eines Jahres deutlich verschlechtert.Bis hin zu den Wachstumserwartungen unterschreiten hier die meisten der vergleichbaren Werte die für den Westen prognostizierten Zahlen. Nach Aussage von Creditreform sind im Westen vor allem das verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen die Zugpferde des Aufschwungs.Auch aus dem Osten kommen aus diesen Wirtschaftszweigen - wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß - die meisten der positiven Antworten.Insgesamt befragte Creditreform 5122 Unternehmen in Deutschland.Einen wichtigen Hinweis auf die Situation in den kommenden Quartalen geben die Aufträge.Nach nur 27 Prozent im zurückliegenden Jahr bezeichnen in diesem Frühjahr knapp 35 Prozent der westlichen Mittelständler ihre aktuelle Auftragslage als gut bis sehr gut.Wie Creditreform-Hauptgeschäftsführer Helmut Rödl sagte, seien die negativen Auskünfte über die Ordersituation deutlich zurückgegangen.Leider treffe das aber nicht für die ostdeutschen Unternehmen zu.Hier stieg der Anteil der schwachen Noten von 37,1 auf über 42 Prozent. Auch bei der zu erwartenden Ertragslage gehen Ost und West getrennte Wege.Mehr als ein Viertel der Befragten in den alten Bundesländern, das sind genau sieben Prozent mehr als im Vorjahr, rechnen mit zusätzlichen Gewinnen.Dagegen stieg in den neuen Ländern die Zahl der Pessimisten, die für das laufende Jahr einen Rückgang ihrer Erträge voraussagen.Erfreulich für beide Regionen bleibt, daß mehr als 40 Prozent der Mittelständler die Ertragssituation 1998 als stabil bezeichnen.Größter Störenfried der Konjunktur bleibt der Bau.So mußten knapp 60 Prozent der Unternehmen im Osten und mehr als 54 Prozent der westlichen Baufirmen einen Rückgang der Umsätze hinnehmen.Über die gesamte Breite aller Branchen aber hat sich die Umsatzentwicklung verbessert.Fast 40 Prozent der Befragten im Westen gehen bis Oktober 1998 von steigenden Umsätzen aus.Auch an dieser Stelle hinken die neuen Länder den Erwartungen allerdings hinterher. Eine gestiegene Investitionsbereitschaft der westlichen Firmen ist für Creditreform Ausdruck dafür, daß der Konjunkturmotor auf Touren kommt.Im zurückliegenden Jahr war die Investitionsquote im Vergleich zu anderen Industriestaaten gesunken.Bei den Insolvenzen gibt Creditreform für 1998 in Ost wie West Entwarnung.Rödl hofft, daß im Zeichen verbesserter Konjunkturbedingungen zumindest in den alten Bundesländern die Zahl der betroffenen Unternehmen nicht auf über 30 000 klettert.Auch für den Arbeitsmarkt gibt es eine gewisse Entlastung.Zweidrittel der westdeutschen Mittelständler wollen den Personalstand nicht verändern und nur noch 16,9 Prozent (Vorjahr 26,9 Prozent) denken an Entlassungen.

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