Wirtschaft : Ostdeutsche Sparkassen verdienen weniger

BERLIN (dr).Die im Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverband (OSGV) zusammengeschlossenen Institute sind zwar mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 1998 zufrieden, klagen aber, ähnlich wie ihre Schwestern in Westdeutschland, über sinkende Margen.Das anhaltend niedrige Zinsniveau habe die Zinsüberschüsse gedrückt, so daß im Durchschnitt der Sparkassen nur noch ein Betriebsergebnis in Höhe von 1,26 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme übriggeblieben sei, so Rainer Voigt, Präsident des OSGV, am Montag vor der Presse in Berlin.Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um 0,16 Prozentpunkte.Da sich an dieser grundsätzlichen Situation auch im laufenden Jahr wenig ändern werde, gelte es nun weitere Sparpotentiale zu erschließen.Im vergangenen Jahr erreichten die Sachkosten 0,72 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme, die Personalkosten 1,12 Prozent.

Die gesamte Bilanzsumme der Mitgliedsinstitute in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen wuchs in der Berichtszeit um 3,9 Prozent oder 6,6 Mrd.DM auf 176,1 Mrd.DM.Getragen wurde dieses Wachstum vor allem von Krediten an Firmenkunden.Insgesamt stieg das Kreditvolumen um 6,3 Prozent auf fast 64 Mrd.DM, die Ausleihungen an Unternehmen kletterten um 6,4 Prozent auf 30,1 Mrd.DM.Ein weiterer Schwerpunkt war die Finanzierung von Wohneigentum.In diesem Bereich stieg der Bestand um 11,6 Prozent auf 26,6 Mrd.DM.Nach wie vor sei der Wunsch nach Wohneigentum groß, so Voigt.Die Wohneigentumquote kletterte im vergangenen Jahr auf 31 Prozent.1990 lag sie noch bei 23 Prozent.Die Kunden betrachteten die Schaffung privaten Wohneigentums als wichtige Säule der Vorsorge und der Vermögensbildung, so der Präsident weiter.

Knapp die Hälte der Ostdeutschen hätten im vergangenen Jahr etwas auf die hohe Kante gelegt.Dies, obwohl 34 Prozent der Haushalte im Verbandsgebiet von Arbeitslosigkeit betroffen gewesen seien.

Die Pläne für den in Sachsen geplanten neuen Finanzverbund, bezeichnete Voigt zwar weiterhin als ungeeignet, der OSGV gebe seinen Widerstand dagegen jedoch auf.In Sachsen soll auf Initiative von Finanzminister Georg Milbradt unter dem Dach der Landesbank eine Holding gebildet werden.Der Schritt Sachsens müsse respektiert werden, so Voigt."Wir werden als Demokraten den Willen des Gesetzgebers respektieren." Der Antritt des OSGV sei davon geprägt, eine Willensbildung der Sparkassenorganisation von unten nach oben durchzuführen, die soviel Dezentralisierung wie möglich sichere und Zentralität dort vorsehe, wo sie unter Effizienzaspekten sinnvoll und notwendig sei.Der OSGV wolle weiterhin leistungsstarke Sparkassen in kommunaler Bindung.In Sachsen sei jedoch die "zentrale Organisation dezentraler Mittel" vorgesehen.Nun müßten die kommunalen Gewährsträger der sächsischen Sparkassen selbst entscheiden, ob sie dem Finanzverbund beitreten würden oder nicht.Konkretes Interesse für die sächsische Lösung hätten bisher Leipzig, die Westlausitz sowie Aue-Schwarzenberg bekundet.

Einen Zerfall des Verbandes durch den Alleingang Sachsens befürchtet Voigt nicht.Der Staatsvertrag laufe noch bis zum Ende des Jahres 2000, allerdings sollte bereits bis zum Sommer darüber entschieden werden, wie es dann weitergehe.Es gebe bereits Gespräche zur Neuverhandlung des Staatsvertrages.Bei der Diskussion um Mitgliedschaften im OSGV von Sparkassen und kommunalen Gewährsträger, die sich dem sächsischen Finanzverbund anschließen wollten, seien eine ganze Reihe von Fragen zu klären.Dies betreffe nicht nur die Haftung und die weitere Mitgliedschaft in den Sicherungseinrichtungen.Auch die Folgen einer wie auch immer beabsichtigten Ausschüttungspolitik müßten beachtet werden.Zudem müßten auch die wirtschaftlichen Auswirkungen Beachtung finden.Schließlich hätten die sächsischen Sparkassen erhebliche Investitionen in den OSGV vorgenommen.

Über die Zukunft der ostdeutschen Sparkassen soll sich auch der Sparkassentag vom 4.bis 5.Mai in Rostock beschäftigen.Es gehe um das "magische Dreieck" Nutzen - Transparenz - Haftung, so Voigt.Diskutiert werde beispielsweise über eine stärkere strukturpolitische Wirtschaftsförderung, über die Möglichkeiten, Ausschüttungen zu erleichtern - hier gibt es Vorschläge aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern -, und schließlich auch darüber, wie den kommunalen Trägern die Haftung erleichtert werden könne.Voigt warnte aber zugleich, jede Mark könne nur einmal ausgegeben werden.Die Sparkassen könnten nicht die "Stopfer kommunaler Haushaltslöcher sein".

0 Kommentare

Neuester Kommentar