Wirtschaft : Partnerschaft mit BMW/Williams kostet knapp 50 Millionen Mark pro Jahr

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Der Vorstandschef der Münchner Allianz AG, Henning Schulte-Noelle, gab sich zur diesjährigen Bilanzvorlage betont sportlich: "Die Allianz startet 2000 durch und will mehr PS auf die Straße bringen," kündigte der Assekuranz-Manager in München an. Damit spielte er nicht nur auf die eigentlichen Versicherungsgeschäfte des Konzerns an, sondern auch auf dessen Einstieg in die Formel 1. Um den Bekanntheitsgrad außerhalb Deutschlands zu steigern sponsert der Versicherer künftig das Rennteam von BMW/Williams mit einem Betrag von knapp 50 Millionen Mark jährlich. Sogar technisch will die Allianz mit dem Rennstall über ihr Zentrum für Technik zusammenarbeiten, sagte Schulte-Noelle.

Auf mehr Schnelligkeit setzt er auch beim Verkauf von Policen, der künftig verstärkt über das Internet laufen soll. Nachdem sich die Münchner bis zuletzt diesem Vertriebsweg gegenüber eher zugeknöpft gezeigt hatten, wollen sie nun jährlich einen dreistelligen Euro-Millionenbetrag in den Online-Verkauf investieren und ein weltweites Allianz-Portal einrichten. Mit der US-Netzfirma Cisco habe man zum Ausbau elektronischer Geschäfte eine strategische Partnerschaft vereinbart, sagte Schulte-Noelle.

In Deutschland sind dem Internetverkauf von Policen aber enge Grenzen gesetzt, wenn die Allianz ihre zahlreichen Vertreter nicht verärgern will, indem sie ihnen online Konkurrenz macht. Bislang bietet der Versicherer in Deutschland online nur Risikolebensversicherungen an. Auch auf Nachfragen ließ die Allianz offen, ob künftig das Basisgeschäft mit Kfz-Policen am Heimatmarkt online betrieben wird. In Italien haben die Münchner seit vergangenen Herbst schon 30 000 Kfz-Versicherungen per Mausklick verkauft. Im Geschäft mit Firmenkunden ist die Allianz dagegen auch in Deutschland freier. Mit derartigen Kunden wurde schon 1999 in der Schaden- und Unfallversicherung ein Geschäftsvolumen von gut einer Milliarde Mark internetgestützt abgewickelt. Vom Sommer an wollen die Münchner auch eine Haftpflichtpolice für Internetrisiken anbieten, die gegen Datendiebstahl und Hackerangriffe versichert.

Unklarer als die virtuelle Zukunft der Allianz ist deren strategische Perspektive nach der geplatzten Fusion von Deutscher und Dresdner Bank. Als Großaktionär werde man den Umbau der Dresdner unterstützen, sagte Schulte-Noelle. An einer Beteiligung an der Deutschen Bank 24 sei er weiter interessiert. Allianz und Deutsche Bank, die im Rahmen der gescheiterten Bankenfusion eine Reihe umfangreicher, nun aber zumindest zum Teil hinfälliger Tauschgeschäfte vereinbart hatten, seien dabei, ihre Optionen zu prüfen, sagte Schulte-Noelle. Grundsätzlich führe die Allianz eine Reihe von Sondierungsgesprächen. Interessiert sei die Allianz am Zukauf einer deutschen Fondsgesellschaft, um das eigene Kerngeschäft mit Vermögensverwaltung zu stärken, sagte Schulte-Noelle. Außerdem wolle man in Großbritannien und den USA in der Sparte Lebensversicherungen zukaufen. Die "Kriegskasse" der Allianz, deren Umfang der Konzernchef nicht nennen wollte, sei gut gefüllt und in der Lage jede gewünscht Akquisition zu ermöglichen.

Auch ohne Übernahmen bleibt der Versicherer auf Wachstumskurs. So soll der Jahresüberschuss in der laufenden Periode um ein Zehntel auf gut 4,3 Milliarden Mark wachsen. Bei dieser Prognose beziehen sich die Münchner auf eine um Sondereffekte bereinigte Zahl für den vorjährigen Jahresüberschuss von dann nur 3,9 Milliarden Mark. Insgesamt waren nämlich schon im Vorjahr die Nachsteuergewinne im Konzern um gut ein Fünftel auf 4,3 Milliarden Mark gewachsen. Die Dividende für 1999 soll von 1,12 auf 1,25 Euro je Aktie steigen.

Die konzernweiten Beitragseinnahmen dürfen im Jahr 2000 um rund vier Prozent auf rund 110 Milliarden Mark wachsen, nachdem sie im Vorjahr um gut 16 Prozent auf 105 Milliarden Mark zugelegt hatten. Der stärkere Zuwachs 1999 ging auch auf Zukäufe und positive Währungseffekte zurück. Das interne Wachstum betrug gut fünf Prozent. In der Vermögensverwaltung für Dritte erwarten die Münchner nach der Integration des jüngst zugekauften US-Vermögensverwalters Pimco nun einen deutlichen Sprung. Inklusive Pimco zählt die Allianz mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,3 Billionen Mark schon jetzt zu den weltweit führenden Asset Managern. Wie weiter mitgeteilt wurde, zahlt die Allianz in den Entschädigungsfonds für Opfer und Hinterbliebene des Holocaust knapp 150 Millionen Mark ein. In diesem Zusammenhang zeigte sich Schulte-Noelle ärgerlich über die Zurückhaltung von Teilen der deutschen Wirtschaft.Mehr zum Thema unter www.meinberlin.de/allianz

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