Wirtschaft : Percy Barneviks Stern strahlt nur noch matt

HELMUT STEUER

STOCKHOLM .Als Percy Barnevik im April 1997 die Nachfolge von Peter Wallenberg antrat und als erster Familienfremder den Aufsichtsratsvorsitz der Investmentgesellschaft Investor in Stockholm übernahm, wurde der einstige euröpäische Manager des Jahres mit Vorschußlorbeeren überhäuft.Auch diesmal, versprach Sanierer Barnevik damals, werde er kräftig aufräumen.

Die unscheinbare Firma Investor ist die Schaltzentrale der einflußreichen Industriellenfamilie Wallenberg.Von ABB bis Stora Enso, von Aga bis Electrolux - kaum ein namhaftes schwedisches Unternehmen, in dem Investor nicht die Unternehmenspolitik bestimmt.Barnevic hatte klare Vorstellungen, wie die Aufsichtsräte der Wallenberg-Unternehmen gestärkt werden sollen.Zwei oder drei Kontrolleure sollten aus dem Ausland kommen, die "Altherrenrunden" abgeschafft werden.Am wichtigsten jedoch: Der Shareholder-value müsse künftig stärker in den Vordergrund treten.

Doch die anfängliche Euphorie bei Aktionären und Analysten ist verflogen, statt dessen steht der schwedische Starmanager plötzlich in der Kritik."Ich bin mir nicht sicher, ob Barnevik der Richtige für die Leitung von Investor ist", erklärte der Amerikaner David Marcus.

Marcus ist stellvertretender Chef der US-Fondsgesellschaft Franklin Mutual Advisers.Das Unternehmen ist größter ausländischer Akteur an der Stockholmer Börse und zugleich zweitgrößter Aktionär bei Investor, wo man insgesamt gut 5 Mrd.Skr (rund 11 Mill.DM) investiert hat.Der 33jährige Marcus ist besorgt über die mäßige Kursentwicklung der von Investor kontrollierten Gesellschaften.Auch die Zusammensetzung des Portefeuilles mit vielen traditionellen Industriebeteiligungen sei diskutabel."Barnevik kam vor zwei Jahren und erklärte, er würde keine Geduld mit den leistungsschwächsten Unternehmen haben.Schaut man heute ins Portefeuille, findet man fast nur Underperformer".

Marcus bezieht seine harsche Kritik auf die Entwicklung von traditionellen Maschinenbau-Konzernen wie Atlas Copco, Electrolux und SKF.Die Investor- Aktie selbst ist seit Jahresbeginn um drei Prozent gefallen, während sich im gleichen Zeitraum Investors wichtigste Beteiligungen deutlich besser als der schwedische Aktienindex entwickelten: ABB zog um 16 Prozent an, Stora Enso um 17 Prozent und Scania sogar um 47 Prozent.

Am 14.April kommt es zu einem wichtigen Personalwechsel an der Spitze von Investors.Marcus Wallenberg löst den langjährigen Investor-Vorstandschef Claes Dahlbäck ab.Dem jungen Wallenberg wird ein besonderes Interesse für Informationstechnologie und Biotechnik nachgesagt.Gerade in diesen Bereichen, bemängelt auch Fondsverwalter Marcus, ist Investor allein mit Ericsson und WM Data zu schwach positioniert.Möglich, daß sich Investor nun neu orientiert.

Auch wenn Barneviks Stern nicht mehr so hell strahlt, einige Erfolge hat er dennoch vorzuweisen: Saab hat sich von der zivilen Flugzeugproduktion getrennt, der Forstkonzern Stora mit dem finnischen Konkurrenten Enso zusammengetan.Der Pharmakonzern Astra vollzog jetzt die Fusion mit dem britischen Chemie- und Pharmahersteller Zeneca, Electrolux hat sich auf Kerngeschäft Haushaltsgeräte fokussiert.Der Verkauf der Beteiligung an der Fluggesellschaft SAS scheint beschlossene Sache und der Ausstieg aus dem LKW-Hersteller Scania ist immer noch ein Thema, auch wenn der Nestor selbst, Peter Wallenberg, kürzlich erneut einen Scania-Verkauf kategorisch ausgeschlossen hat.

Dennoch reichen Fondsmanager Marcus die Reformen nicht.Percy Barnevik, aber auch der neue Investor-Chef Marcus Wallenberg, werden auf der Hauptversammlung den künftigen Kurs abstecken und versuchen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.Doch für David Marcus steht bereits fest : "Die Zeit der Entschuldigungen ist vorbei."

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