Wirtschaft : Phillip Holzmann: In den Fesseln der Deutschen Bank (Kommentar)

Rolf Obertreis

Die Rolle der Deutschen Bank beim angeschlagenen Baukonzern war schon immer umstritten. Mitunter sogar dubios. Mit der Abgabe des Chefsessels im Aufsichtsrat vor wenigen Monaten wollte die Deutsche Bank das Kapitel schließen. Doch im Hintergrund mischt sie weiter mit: Offenbar können auch der neue Vorstandschef Konrad Hinrichs und Boehm-Bezing-Nachfolger Gerhard Neipp nicht frei agieren. Warum sonst wird von der Hauptversammlung Ex-Holzmann-Chef Heinrich Binder die Entlastung verweigert, nicht aber Deutsche Bank-Vorstandsmitglied Boehm-Bezing, der den Aufsichtsratsvorsitz inne hatte? Gegen beide läuft ein Ermittlungsverfahren. Beide haben Holzmann in die Krise geführt und die Löcher nicht gesehen oder nicht sehen wollen, die das Desaster verursacht haben. Über 4000 Mitarbeiter haben durch die Krise ihren Job verloren, doch ein Mann an der Spitze, der als Aufsichtsratschef über Jahre hin massiv in das Unternehmen hineinregiert und dem Vorstand Weisungen erteilt haben soll, kommt mit weißer Weste davon. Die Deutsche Bank und der Holzmann-Vorstand erweisen nicht nur ihren jeweiligen Häusern einen Bärendienst. Sie schaden auch dem Standort Deutschland. Zumindest im Fall Holzmann führt die enge Verflechtung zwischen Industrie und Banken immer noch ein munteres, aber auch bedenkliches Eigenleben. Dabei macht sich doch gerade Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer immer so vehement für das Ende der Deutschland AG stark. Dann soll er auch danach handeln.

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