Wirtschaft : Pokern und Schweigen

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Von Klaus Rocca

Berlin. Ein wenig verblüfft waren Arminia Bielefelds Fußballprofis schon, dass sie für Dienstag zum ersten Saisontraining zu einem Zeitpunkt bestellt wurden, als in Seoul noch um den Einzug ins Finale gekämpft wurde. Weniger verblüfft waren sie, dass sich unter ihnen auch Artur Wichniarek befand. Der 25-Jährige hat dem neuen Ligakonkurrenten Hertha BSC zwar längst sein Jawort gegeben, aber für den soll er erst im nächsten Jahr spielen. Heißt es zumindest. Inoffiziell hat längst das Pokern um den Polen begonnen. Bekanntlich will Bielefeld fünf Millionen Euro Ablösesumme für einen Spieler haben, der in der nächsten Saison ablösefrei ist. „Das machen wir nicht mit“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. Am Montag, als Wichniarek auf dem Weg aus Polen nach Bielefeld in Berlin Station machte, traf sich Hoeneß noch einmal mit ihm. Über die Ablösesumme sei nicht gesprochen worden, beteurt Hoeneß. Zum Pokern gehört auch Schweigen. Soll sich doch die Arminia melden, wenn sie Geld haben will.

Natürlich weiß Hoeneß, dass Wichniarek mit seinen Toren maßgeblichen Anteil am Aufstieg der Bielefelder hatte. Doch fünf Millionen passen derzeit nicht in die Planungen Herthas. „Solange keine Klarheit herrscht, was bei den Verhandlungen über die Fernsehvermarktung der Bundesliga herauskommt, halten wir uns zurück“, sagt Hoeneß. Da ergeht es Hertha nicht anders als den Konkurrenten. Auf dem Transfermarkt herrscht derzeit ungewöhnliche Ruhe, was auch am Geschehen in Fernost liegt, aber vor allem an der Ungewissheit über die Fernsehgelder.

Theoretisch hat Hertha noch bis zum 31. August Zeit, um den dringend benötigten Stürmer zu verpflichten. Dann nämlich wird die Transferliste für die kommende Saison geschlossen. Doch bekanntlich sind gerade Stürmer rar auf dem Markt. Was läge da näher, als Wichniarek eben doch schon früher nach Berlin zu holen? Mit den bislang verpflichteten Arne Friedrich, dem Vereinskameraden Wichniareks, und Wichniareks Landsmann Bartosz Karwan (bisher Legia Warschau) hat man für den Angriff noch nichts getan. Hoeneß lässt aber keinen Zweifel daran, dass noch unbedingt ein Stürmer geholt werden muss. Wobei er mit dem neuen Cheftrainer Huub Stevens konform geht. Dass der noch weitergehende Wünsche hat, verhehlt er nicht. Doch Wünsche müssen derzeit hintangestellt werden.

Dessen ungeachtet laufen die Vorbereitungen auf die am 9. August mit dem Gastspiel beim Meister Dortmund beginnende Saison auf Hochtouren. Am Dienstag übergaben Hoeneß und Geschäftsführer Ingo Schiller das neu gestaltete Trainingszentrum am Olympiastadion an Huub Stevens. Dass der Rasen auf dem Schenkendorffplatz inzwischen von einer Rasenheizung erwärmt werden kann, erfreut Stevens besonders. Am Freitag müssen die Spieler zum ärztlichen Check antreten, am Abend wird in der U-Bahn-Station Paul-Löbe-Allee von Trainer und Mannschaft das neue Trikot präsentiert. Erstes offizielles Training ist am Montag.

Testspiele gegen FSV Bernau (6. Juli), 1. FC Magdeburg (10. Juli) folgen, ehe es am 13. Juli ins traditionelle Trainingslager nach Kaprun mit Spielen gegen Rapid Wien, Legia Warschau und Fenerbahce Istanbul geht. Stevens, nicht gerade ein Freund von derartigen Trainingslagern, reduzierte den Aufenthalt in Österreich auf neun Tage. Spiele gegen Bayern München (Ligapokal), Inter Mailand und PSV Eindhoven sollen dann für den letzten Schliff sorgen. Keines der Spiele findet übrigens in Berlin statt. Schlecht für die Fans in der Stadt.

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