Wirtschaft : Polen fordert offenen Arbeitsmarkt

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Berlin - Polen hat dem deutschen Nachbarn vorgeworfen, sich zu stark gegen polnische Konkurrenz abzuschotten. „Polnische Unternehmer fühlen sich durch bürokratische Hürden diskriminiert“, sagte Jozef Olszynski, der Leiter der Abteilung Handel und Investitionen der polnischen Botschaft, auf der Wirtschaftskonferenz Deutschland-Polen am Mittwoch in Berlin. Die deutsche Seite wies den Vorwurf zurück. Kontrollen seien in erster Linie dazu da, um die Schwarzarbeit einzudämmen, sagte Joachim Würmeling, der Staatssekretär des Bundeswirtschaftsministeriums. Schließlich gebe es immer mehr Polen, die in Deutschland arbeiteten.

Über 300 Vertreter aus Wirtschaft und Politik – darunter viele Mittelständler – nahmen an der Konferenz teil, die in diesem Jahr zum dritten Mal veranstaltet wurde. Eingeladen hatte die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) gemeinsam mit dem Berliner Senat und der polnischen Botschaft. Bei deutschen Unternehmen bestehe „erheblicher Aufklärungsbedarf“, sagten die Veranstalter.

Polnische Unternehmen wehrten sich gestern gegen das Vorurteil, nur Billigware zu produzieren. „Es kommen nicht nur billige, sondern auch hochwertige Produkte aus unserem Land“, sagte Michael Jonczynski, Vize-Geschäftsführer von Solaris aus dem westpolnischen Poznan. Die Busfirma ist mit 15 Prozent Marktanteil Deutschlands drittgrößter Buslieferant. Insgesamt wächst der bilaterale Handel zwischen beiden Ländern: Exportsteigerungen verzeichneten nicht nur die Deutschen von 18,8 (2004) auf 21,9 Milliarden Euro (2005). Auch Polen exportieren immer mehr nach Deutschland. Betrug der Warenwert 2005 noch 18,8 Milliarden Euro, rechnet das Statistische Bundesamt in 2006 mit einem Anstieg auf 21,9 Milliarden Euro.

Trotzdem blieben noch große Potenziale ungenutzt, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei). Er forderte stärkeres Interesse deutscher Firmen am polnischen Nachbarn. „Noch immer schmälern Unkenntnisse der polnischen Sprache, der Kultur und der Mentalitäten die Investitionsfreudigkeit.“ ibr

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