Politik trifft Gründer : Ohne Krawatte ins Netz

Bundeswirtschaftsminister Rösler wünscht sich einen Dialog mit der Gründerszene in Deutschland. Vergangene Woche besuchte er Upcloud in Berlin. Am Montag tritt er sich mit weiteren jungen Unternehmern zum Gespräch.

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Zu Besuch bei Upcloud. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ließ sich bei dem Berliner Start-up vermessen.
Zu Besuch bei Upcloud. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ließ sich bei dem Berliner Start-up vermessen.Foto: Upcloud

Philipp Rösler kam ohne Kravatte und mit offenem Hemd. Beim Besuch des Berliner Internet-Start-ups Upcloud gab sich der Minister in der vergangenen Woche betont locker – aber er war auch sehr interessiert. „Er hat die richtigen Fragen gestellt“, sagt Geschäftsführer Sebastian Schulze. Upcloud entwickelt eine Software, mit der man seine Körpermaße erfassen kann, damit die im Internet bestellten Kleider auch passen. Auch Rösler hat sich vermessen lassen.
Die Gründerszene in Deutschland ist inzwischen so lebendig, dass sich auch die Politik immer mehr für die jungen Firmen interessiert. „Das gab es bisher nicht“, freut sich Verena Delius, Geschäftsführerin des Berliner Start-ups Goodbeans. Schulze und Delius treffen mit 13 anderen innovativen Unternehmen der Internet– aber auch der Biotech-Szene am Montag erneut mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler zusammen, um sich auszutauschen. Auf Initiative des Berliner Start-ups Gründerszene hin, hatte sich Rösler bereits im Frühjahr mit Gründern getroffen. Die Unternehmer haben einige Themen mit dem Minister zu besprechen.
Delius liegt vor allem ein Thema am Herzen: Es muss leichter werden, ausländische Fachkräfte einzustellen, denn die brauchen die Firmen dringend. Der Bundestag hat dazu zwar ein Gesetz verabschiedet. „Aber es dauert alles immer noch viel zu lang und der Prozess ist immer noch intrasparent“, sagt Delius.
Zweiter Punkt: Eine geplante Änderung im Steuerrecht, die die private und hochriskante Beteiligung an jungen Firmen deutlich unattraktiver machen würde. „Ich freue mich, dass ich den Minister treffen kann, um mit ihm darüber zu sprechen, dass das keine gute Entwicklung für Deutschland wäre“, sagt der Münchner Unternehmer und Investor Felix Haas von Amiando.
Schulze von Upcloud möchte zudem anregen, die Förderung gerade der Internetunternehmen stärker zu fokussierren. „Wenn wir in Deutschland ein zweites Silicon Valles werden wollen, müssen wir ein Cluster bilden und uns auf einen Ort kontzentrieren“, sagt er und meint natürlich, dass Berlin dafür der richtige Ort sei. Amaindo-Gründer Haas sieht das natürlich anders.


Überhaupt spricht die Gründerszene nur selten mit einer Stimme. Aber das soll sich ändern. Derzeit wird im Hintergrund bereits daran gearbeitet eine eigene Interessenvertretung aufzubauen, die die Unternehmen gegenüber der Politik vertreten soll. Verena Delius von Goodbeans geht jedenfalls sehr zuversichtlich in das Gespräch. Sie hofft dass die Internetszene vielleicht eeine ähnliche Aufmerksamkeit und Unterstützung bekomme, wie sie bereits die Firlmindustrie genießt. Ein Vorbild sei London: „Die sind sehr gut darin, ihre Stadt als Technologiestandort zu vermarkten“, sagt Delius. Sie Begrüßt, dass Berlin jetzt auch damit beginnt.

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