Porsche : Staatsanwalt ermittelt gegen Wiedeking

Nach dem Übernahmedrama bei Volkswagen und Porsche ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Auch der Ex-Finanzchef des Stuttgarter Sportwagenbauers, Holger Härter, ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

Henrik Mortsiefer

Berlin - Nach dem Übernahmedrama bei Volkswagen und Porsche ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Auch der Ex-Finanzchef des Stuttgarter Sportwagenbauers, Holger Härter, ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Dies bestätigte ein Porsche-Sprecher am Donnerstag in Stuttgart. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart sagte, nach Hinweisen der Finanzaufsicht Bafin sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Marktmanipulation mit VW-Aktien und der unbefugten Weitergabe von Insiderinformationen eingeleitet worden. Es handele sich um einen Anfangsverdacht. „Wir stehen noch ganz am Anfang der Ermittlungen“, sagte die Justizsprecherin. Ob und wann Anklage erhoben werde, sei noch völlig offen.

Eine Sprecherin der Finanzaufsicht Bafin sagte dem Tagesspiegel, die Strafanzeige sei Anfang August bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden und „nur ein Teilaspekt“ der Bafin-Untersuchungen zu der gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche. Diese dauerten noch an. Die Anzeige sei erst jetzt – zehn Monate nach einem auffälligen Kurssprung der VW-Aktie – erstattet worden, weil die Bafin erst im Mai neue Informationen und Anhaltspunkte bekommen habe, die diesen Schritt gerechtfertigt hätten.

Porsche bestätigte in einer Mitteilung, die Geschäftsräume am Stammsitz Stuttgart-Zuffenhausen seien am Donnerstagmorgen von Beamten durchsucht worden. Diese hätten geschäftliche Unterlagen beschlagnahmt. „Porsche weist die erhobenen Vorwürfe zurück“, hieß es weiter. Das Unternehmen werde mit den Ermittlern zusammenarbeiten.

Hintergrund der Ermittlungen ist die dramatische Kursbewegung der VW-Aktie im Oktober 2008. Damals hatten unter anderem Optionsgeschäfte einen Anstieg der VW-Aktie auf mehr als 1000 Euro ausgelöst und VW zwischenzeitlich zum wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht. Inzwischen ist die Aktie deutlich gefallen und in den vergangenen Tagen massiv eingebrochen. Derzeit liegt der Kurs des Papiers bei knapp 144 Euro. Die Porsche-Aktie fiel am Donnerstag um 1,4 Prozent auf 53,44 Euro.

VW und Porsche hatten sich unlängst auf eine Vereinbarung geeinigt, nach der Porsche als zehnte Marke in den VW- Konzern integriert werden soll. Dagegen hatten sich Wiedeking und Härter in einer monatelangen Übernahmeschlacht gewehrt. Mit komplizierten Finanztransaktionen hatte sich Porsche allerdings verspekuliert – die VW-Übernahme scheiterte. Wiedeking verließ Porsche mit einer Abfindung in Höhe von 50 Millionen Euro. Auch Härter musste gehen.

Der Anwalt Franz Braun von der Münchener Kanzlei CLLB sieht nun ein gesteigertes Prozessrisiko für Porsche. Anleger könnten nun das Unternehmen mit Schadensersatzklagen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe überziehen, wenn sich der Verdacht erhärten sollte, sagte Braun dem „Handelsblatt“.

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