Wirtschaft : Post aus Frankreich: Kindersegen für die Grande Nation

Sabine Heimgärtner

Hoppla, die kleinen Franzosen kommen. Im vergangenen Jahr, aber auch im Jahr 2000, wurden in Frankreich über 770 00 Neugeborene registriert, ein Boom, den die stolze "Grande Nation" seit zwanzig Jahren nicht mehr erlebt hat. Ganz Frankreich mit seinen 61 Millionen Einwohnern jubelt über den neuen Babyboom. Mit - statistisch gesehen - 1,90 Kindern pro Frau im vergangenen Jahr präsentiert Frankreich den europäischen Baby-Rekord, fünf Jahre zuvor lag die Zahl nur bei 1,73. Völlig gegenläufig ist die Entwicklung in den übrigen EU-Ländern: Dort sinkt die Geburtenrate seit zwei Jahrzehnten um durchschnittlich 0,1 Prozent im Jahr. In Deutschland etwa weist die Statistik nur 1,34 Kinder pro Frau aus, in Italien und Spanien nur 1,25 beziehungsweise 1,22. Nun sind die Demographen am Werk: Was hat der Baby-Boom in Frankreich zu bedeuten?

Die Politiker führen die Kinderliebe ihrer Wähler natürlich vor allem auf Frankreichs kinderfreundliche Politik zurück, will heißen: Jedem Kleinkind wird gratis ein ganztägiger Betreuungsplatz angeboten. Einzige Einschränkung: Der Wonneproppen muss "windelfrei" sein, also gelernt haben, aufs Töpfchen zu gehen. Im Alter von rund zwei Jahren bevölkern die kleinen Geister also die zahlreichen "écoles maternelles", eine Mischung aus Kindergarten und Vorschule. Ein wahrer Segen für ihre Mütter! Diese, und das halten Experten für den zweiten Grund des Kindersegens, können nach der Babypause weiter berufstätig bleiben. Die Statistik belegt den Trend. Seit vier Jahren ist die Arbeitslosigkeit bei Frankreichs Frauen kontinuierlich gesunken, die wirtschaftliche Situation junger Familien hat sich damit verbessert. "Die Situation für die Mütter ist bei uns eindeutig besser als in Deutschland oder in südeuropäischen Ländern, in Frankreich bedeutet ein Kind nicht die Unterbrechung des bisherigen Lebens der Frau", erklärt der französische Statistiker Laurent Toulemon.

Rücken frei für ein weiteres Kind? "Klar, wenn es mit zweien gut gelaufen ist, überlegt man sich, ob man nicht vielleicht sogar ein drittes wagen könnte", sagt die 34-jährige Emmanuelle der Tageszeitung "Le Parisien". Mit ihrem Mann lebt sie seit zehn Jahren in eheähnlicher Gemeinschaft. Die neue Form des Zusammenlebens hat nach Beobachtung der Soziologen ein Weiteres getan, den Fortpflanzungstrieb der Franzosen zu fördern. Frankreich beschert der Babyboom langfristig noch mehr: Wirtschaftliche Sicherheit - noch dazu, wo das Land auch in der Lebenserwartung den europäischen Rekord hält - mit einem Durchschnittsalter von 75,5 Jahren bei Männern und 83 Jahren bei Frauen.

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