Wirtschaft : Post will eigene Aktien zurückkaufen

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Die Deutsche Post World Net AG will in den kommenden Jahren die schrittweise Liberalisierung des europäischen Postmarktes nutzen und ins Briefgeschäft der Nachbarländer einsteigen. Der Aufbau werde allerdings "vier bis fünf" Jahre dauern, sagte Vorstandschef Klaus Zumwinkel am Montag auf der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens. Wegen ihres guten Ergebnisses will die Post ihren Anlegern eine höhere Dividende zahlen - 0,37 Euro pro Aktie, nach 0,27 Euro im Jahr 2000. An die Börse will das Unternehmen in diesem Jahr nicht mehr gehen: "Ich gehe definitiv nicht davon aus, dass der zweite Börsengang in diesem Jahr erfolgt", sagte Zumwinkel.

Einzelheiten über die EU-Expansion will er im Sommer bekannt geben, da die Post noch in der Planungsphase steckt. Klar ist bislang nur, dass die Post lediglich die gewerbliche Wirtschaft und nicht den Privatkunden anvisiert. Das EU-Parlament hatte Mitte März die schrittweise Öffnung der europäischen Postmärkte gebilligt. Das monopolgeschützte Briefgeschäft der EU soll zum 1. Januar unter 100 Gramm und zum 1. Januar 2006 unter 50 Gramm gesenkt werden.

Obwohl für Mitte des Jahres mit einer wirtschaftlichen Erholung gerechnet wird, erwartet Zumwinkel erst 2003 einen internationalen Aufschwung. Aus diesem Grund hat sich die Deutsche Post AG für das laufende Geschäftsjahr moderate Gewinn-Ziele gesteckt: "Wir wollen lieber eine vorsichtige Prognose abgeben, als uns später korrigieren zu müssen", sagte der frühere McKinsey-Berater. Das Unternehmen will den gleichen Gewinn wie 2001 erwirtschaften. Beim Umsatz hingegen plant der Konzern mit einer Steigerung um mehr als 20 Prozent auf 41 Milliarden Euro. Hauptgrund ist, dass die Express-Tochter DHL erstmals voll konsolidiert wird.

Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Post wieder Rekordwerte erreicht. Wie das Unternehmen bereits Ende Februar als vorläufige Zahlen bekannt gegeben hatte, hat es die eigenen Gewinnziele überschritten, das selbst gesteckte Umsatzziel aber verfehlt. Die Post hat 2001 das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (Ebita) um 7,3 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gesteigert, den Umsatz aber nicht wie geplant um vier Prozent, sondern nur um 2,1 Prozent erhöht. "Besonders erfreulich" nannte Zumwinkel, "dass sich gerade unsere zukunftsträchtigen Unternehmensbereiche Express und Logistik überdurchschnittlich gut entwickelt haben". Hier erzielte die Post Umsatzzuwächse von 6,6 beziehungsweise 10,4 Prozent. Weniger erfreulich entwickelte sich das Briefgeschäft, das weiterhin der mit Abstand wichtigste Bereich des gelben Unternehmens ist. Ein Drittel trägt es zum Konzernumsatz bei und zwei Drittel zum Gewinn; mittelfristig soll es nur noch 50 Prozent zum Konzerngewinn beitragen. Beim Briefgeschäft verringerte sich der Umsatz leicht um 0,2 Prozent. Als Grund nannte Zumwinkel die steigende Konkurrenz und den Substitutionsdruck durch elektronische Medien.

Ebenfalls rückläufig war der Umsatz der Postbank wegen des "kontinuierlich gesunkenem Zinsniveaus". Unzufrieden ist Zumwinkel weiterhin mit dem Aktienkurs. Der dümpelt bei knapp 17 Euro weiterhin unter dem Emissionkurs von 21 Euro. Mit einem Aktienrückkauf-Programm will Zumwinkel den Kurs nach oben bringen; der Vorstand wird der Hauptversammlung am 6. Juni ein solches vorschlagen. Als "Kursbremser" gilt unter anderem, dass der Bund in der Zukunft den Rest seiner Beteiligungen an die Börse bringt. Das wird nach Zumwinkels Worten jedoch nicht in diesem Jahr passieren. Der Grund: Derzeit Aktien zu verkaufen wäre wegen des niedrigen Kurses "sehr, sehr schlecht".

Die "Aktie Gelb" soll auch neue starke Impulse durch ein Wertsteigerungsprogramm namens "Star" erhalten. Mit dem Programm will die Post nicht nur ihrer Aktie Auftrieb geben, sondern auch ihrem Ziel - die Nummer eins in der weltweiten Logistik-Branche zu werden - näher kommen. "Star" soll die Wachstums- und Kostensenkungspotenziale im Konzern nutzen - unter anderem durch das Anbieten maßgeschneiderter integrierter Logistikleistungen unter Einbeziehung aller vier Unternehmensbereiche (Post, Express, Logistik, Finanzdienstleistung) und durch die Erzielung von Synergien. Und schließlich hat der Konzern aus Bonn vor, mit neuen Partnerschaften und Akquisitionen weiter international zu expandieren.

Erneut wies Zumwinkel auf die Rechtmäßigkeit der Umsatzsteuer-Befreiung der Deutschen Post hin. Der Bundesrechnungshof hatte in einem Geheimgutachten Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) vorgeworfen, der Post zu einer ungerechtfertigten Umsatzsteuerbefreiung verholfen zu haben, um die "Börsenfähigkeit" des Unternehmens herzustellen. Daraufhin hatte die Opposition gefordert, dass die Post mehrere hundert Millionen Euro Umsatzsteuern abführt und Gebühren senkt. Als Unternehmen, das Universaldienstleistungen anbiete (zum Beispiel eine bestimmte Zahl an Postfilialen garantiert), sei die Post von der Umsatzsteuer befreit.

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