Wirtschaft : Postbank: Privatisierung weiter offen

BONN .Der für das Frühjahr 1999 angepeilte Börsengang der Deutschen Postbank AG, Bonn, steht weiter in Frage: Das noch bundeseigene Unternehmen legte am Mittwoch zwar erstmals einen umfassenden Halbjahresbericht vor.Zu offenkundigen Schwierigkeiten bei der Einhaltung des Privatisierungsfahrplanes äußerte sich die Geschäftsleitung darin jedoch nicht.

Bis Ende Juni fuhr die Postbank einen Gewinn von 181 Mill.DM vor Steuern ein.Der Vorstand erwartet nach eigenen Angaben weiterhin, daß der Vorsteuergewinn des Gesamtjahres auf rund 400 Mill.DM klettern werde.Auch auf Nachfrage wollte sich ein Unternehmenssprecher zum Thema Börsengang nicht äußern.Dies sei allein Sache des Eigentümers.

Die Interessen des Bundes werden bei der Postbank vornehmlich durch die Bundesanstalt für Post und Telekommunikation wahrgenommen.Deren Vorstandsvorsitzender Hans Gottfried Bernrath hatte noch im Juni das Ziel genannt, 50 bis 55 Prozent der Postbank-Anteile im Frühjahr 1999 an den Markt zu bringen.Doch derzeit gilt es als unwahrscheinlich, daß der Lenkungsausschuß, der den Börsengang vorbereitet, noch vor der Bundestagswahl zusammenkommt.So könnte es für einen Börsengang noch im kommenden Jahr eng werden.Dem Ausschuß gehören Vertreter des Bundes, der Postbank und der Investmentbank Morgan Stanley an.

Die Hamburger Zeitschrift "Der Spiegel" hatte vor kurzem berichtet, der Börsengang könne sich auch wegen einer nach wie vor unbefriedigenden Ertragslage der Postbank bis ins Jahr 2000 verzögern."Der Spiegel" berief sich dabei auf eine Stellungnahme des Londoner Bankhauses Schroders, das den Bund berät.Dieses Papier liegt der Postbank selbst laut eigenen Angaben auch knapp zwei Wochen nach Erscheinen des Berichtes nicht vor.

Mit den ausgewiesenen 181 Mill.DM hat sich der Vorsteuergewinn des ersten Halbjahres gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert von 16 Mill.DM mehr als verzehnfacht.Diese große Differenz erklärt sich in erster Linie aus Rückstellungen in Höhe von 1,5 Mrd.DM.Diese mußte die Postbank im vorigen Jahr unter anderem vornehmen, um den laufenden Personalabbau zu finanzieren.Weitere Posten sind Pensionszahlungen und Entgelte an das Schwester-Unternehmen Post AG.

Ende Juni beschäftigte sie knapp 13 000 Angestellte, gut 500 weniger als Ende vergangenen Jahres.Die Personalaufwendungen verringerten sich um 304 Mill.auf 637 Mill.DM.Mittelfristig soll knapp ein Drittel der derzeitigen Arbeitsplätze wegfallen.

Im Kreditgeschäft stiegen die Forderungen an Kunden um 54,6 Prozent auf 5,4 Mrd.DM.Die Konzernbilanzsumme stieg im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf 115,4 Mrd.DM.Dieses Wachstum ist nach Angaben der Postbank vor allem durch einen Anstieg der Verbindlichkeiten gegenüber Kunden um 3,6 Mrd.DM auf 100,7 Mrd.DM und das Spargeschäft gestützt worden.

Gegen den allgemeinen Branchentrend sparten Postbank-Kunden mehr als im vorigen Jahr.Die Zahl der Girokonten blieb mit gut vier Mill.nahezu unverändert.

Das Kreditinstitut zählt sich zu den größten Privatkundenbanken.Die rund zehn Millionen Kunden wickeln den größten Teil ihrer Bankgeschäfte über die Schalter der Deutschen Post AG ab.

Einen starken Zustrom verzeichnet die Postbank allerdings weiterhin beim Homebanking per Computer: Mit mehr als 500 000 Online-Bankern und 835 000 Kunden, die ihr Konto per Telefon führten, sei die Postbank in diesem Bereich der deutsche Marktführer.

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