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Postbus startet : Hoch auf dem gelben Wagen

Seit Fernbusse Verbindungen in ganz Deutschland bedienen dürfen, haben sich einige Start-ups im Markt etabliert. ADAC und Post wollen diese nun das Fürchten lehren. Der Preis ist dabei nicht das einzige Kriterium.

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Vorgefahren. Ein brandneuer Postbus steht vor der Zentrale des Logistikkonzerns in Bonn.
Vorgefahren. Ein brandneuer Postbus steht vor der Zentrale des Logistikkonzerns in Bonn.Foto: dpa

Doppelt so lang wie eine Bahnfahrt, aber nur halb so teuer. Eine Fahrt im Postbus von Berlin nach Köln dauert gut neun Stunden und kostet im günstigsten Fall 28 Euro. Vom 1. November an bedienen die Deutsche Post und der Automobilclub ADAC zunächst fünf Strecken zwischen 24 Städten quer durch Deutschland. Das teilten beide am Mittwoch in Bonn mit. Sie steigen damit offiziell in das Geschäft mit Fernbuslinien ein. Bereits seit Anfang Oktober testen sie ihr Modell auf zwei Streckenvarianten zwischen Köln und München.

Die ersten Erfahrungen seien gut, sagte ein Post-Sprecher. Die Reaktion der Kunden sei überwiegend positiv, abgesehen von einigen Verspätungen durch Staus laufe der Betrieb reibungslos. „An einigen Tagen haben wir eine Auslastung der Busse von 100 Prozent, durchschnittlich sind es 50 Prozent.“ Der Bus sei eine „attraktive und unkomplizierte Alternative zu Bahn, Flugzeug und Pkw“, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer. Exklusiv hat die gemeinsame Tochter der Unternehmen, die Deutsche Post Mobility GmbH, diese Erkenntnis nicht. Seit das Bahnmonopol Anfang des Jahres weggefallen ist, hat sich der Markt schnell entwickelt: rund 170 Anbieter machen nicht nur der Schiene, sondern sich gegenseitig Konkurrenz. Zuvor hatte das gesetzlich garantierte Monopol 70 Jahre lang dafür gesorgt, dass es in Deutschland so gut wie keine Fernbuslinien gab.

Trotz des späten Einstiegs beobachten Wettbewerber die Postbusse durchaus nervös. Man blicke dem Markteintritt entspannt entgegen, sagte Meinfernbus-Gründer Torben Greve, solange es „fair“ zugehe. Mit 38 Linien, 127 Haltestellen in 119 Städten und einem Drittel Marktanteil ist sein Berliner Start-up klarer Marktführer. Wenn aber die Post die Fernbussparte durch Überschüsse aus dem Briefgeschäft quersubventioniere, sei dies „nicht hinnehmbar“. In Bonn kann man die Befürchtung nicht nachvollziehen. Außer einer Anschubfinanzierung durch Post und ADAC werde es kein Geld für die Fernbusse geben. Das Unternehmen müsse sich selbst tragen, betonte der Postsprecher. Wie viel Geld der Logistikkonzern investiert, wollte er aber nicht sagen.

Vor Niedrigpreisen muss sich die Konkurrenz nach Aussage der Postbus-Betreiber ebenfalls nicht fürchten. Man setze vor allem auf Qualität, betonte Post-Vorstand Jürgen Gerdes. Beinfreiheit, Internet-Zugang mit W-Lan sowie Audio- und Videoangebote soll es an jedem Platz geben. Wegen des besonderen Komforts werde es nicht „das billigste, aber das beste“ Angebot sein, ergänzte ADAC-Präsident Meyer.

Für den Anfang ist das Angebot mit 60 Bussen noch eingeschränkt. So wird die Strecke von Berlin nach Nordrhein-Westfalen zwar viermal täglich bedient. Nur ein Bus fährt aber tatsächlich durch bis Köln. Ab dem Frühjahr könne sich das ändern, deutete der Post-Sprecher an. Man wolle das Angebot nach und nach hochfahren.

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