Wirtschaft : Preisanstieg ärgert Indiens Brauteltern

Christine Möllhoff

Neu-Delhi - Happy Arura sitzt hinter einem Glastisch, vor ihm liegen Goldringe, hinter ihm glitzern schwere Geschmeide in den Regalen. „Nein, Silber führen wir nicht“, sagt er und es klingt beinahe pikiert. „Nur Gold und Diamanten.“ Der 38-jährige Inder leitet das Juweliergeschäft R.K. Jewellers, eines der besten und ältesten in Delhis Shoppingmarkt South Extension. Und Silber gilt in Indien nun mal als Metall der Armen.

Kaum ein Volk ist so verrückt nach Gold wie die Inder – der Subkontinent mit seinen 1,1 Milliarden Einwohnern ist der weltgrößte Nachfrager für das Edelmetall. Etwa ein Viertel des für Schmuck verwendeten Goldes wird in Indien verkauft. Allein 2006 setzten Indiens Juweliere 550 Tonnen Gold um. Dazu kamen 200 Tonnen Goldimporte für Sparzwecke.

Von alters her spielt Gold in Indien eine wichtige Rolle, als Gabe an Festtagen, zur Geburt eines Kindes und vor allem bei Hochzeiten. „Das ist unsere Tradition“, sagt Happy Arura. Das Edelmetall ist Statussymbol und Risikoversicherung in einem. Einerseits soll es Wohlstand demonstrieren, andererseits als Notgroschen finanziell absichern.

Vor allem während der Hochzeitssaison drängen sich in den Juweliergeschäften die Kunden. Diese dauert von September bis Februar und von April bis Juni. Hochsaison ist von Oktober bis Dezember. Begleitet von scheppernden Musikkappellen reiten dann festlich gewandete Bräutigame auf Pferden durch die Straßen Delhis. Und viele Inderinnen verbringen Stunden damit, in den Schmuckläden die Auslagen zu sichten, während Bedienstete Chai, den indischen Milchtee, servieren. Die Braut wird am Hochzeitstag über und über mit Geschmeide behängt. Die Tradition verlangt, dass sie an mindestens vier Stellen mit dem Edelmetall geschmückt ist, sagt Happy Arura – an Ohren, Hals, Handgelenken und Fingern. Beim Bräutigam reichen Halskette, Ring und Armreif. Viele Inderinnen horten Massen an Schmuck. Barren und Münzen sind ebenso beliebt.

Indiens wirtschaftlicher Aufschwung hat auch die Nachfrage nach Gold angeheizt und der Schmuckbranche Rekordumsätze beschert. Doch der hohe Goldpreis scheint nun den Umsatz zu bremsen. Vor allem Brauteltern macht die Gold-Hausse zu schaffen. In Indien gilt es als soziale Schande, bei der Hochzeit der Kinder zu geizen. Etwa 200 000 bis 300 000 Rupien, umgerechnet 3400 bis 5100 Euro, würden Brauteltern oft nur für Goldschmuck hinblättern, sagt Arura. Die Eltern des Bräutigams wären nochmals mit dergleichen Summe dabei. Viele Familien müssen Schulden aufnehmen, um diese Summen zusammenzubringen. Aber wegen des hohen Goldpreises zögern viele, derzeit Gold zu kaufen.

Nicht alle klagen jedoch über steigende Preise. Viele Hausfrauen haben entdeckt, dass sie dicke Gewinne einstreichen können und verscherbeln ihr Geschmeide. Im letzten Quartal 2007 sank der Import von Gold deutlich. Die Nachfrage nach frischem Gold sei „faktisch bei Null“, ärgert sich Suresh Hundia, Präsident der Goldhändlervereinigung Bombay Bullion Association. Christine Möllhoff

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