Preise steigen kaum : Gemüse sogar deutlich billiger

Nur um 0,9 Prozent steigen die Verbraucherpreise hierzulande, das ist der geringste Wert seit vier Jahren. Bier ist deutlich teurer, und auch die Mieten steigen weiter.

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Gemüse ist gesund und günstig - aber ob das die Kinder wirklich interessiert?
Gemüse ist gesund und günstig - aber ob das die Kinder wirklich interessiert?Foto: picture-alliance

Das Leben in Deutschland ist zuletzt kaum teurer geworden. Im Mai stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat nur um 0,9 Prozent, das ist der niedrigste Wert seit vier Jahren. Im April waren die Preise noch um 1,3 Prozent gestiegen, doch auch die Rate war geringer als in den Monaten zuvor, sodass sich der Trend zu geringeren Preiserhöhungen bestätigte und verstärkte. "Letztmalig wurde im Juni 2010 eine entsprechend niedrige Inflationsrate von 0,9 Prozent beobachtet", teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Verbraucherpreise im Mai 2014 um 0,1 Prozent. Entscheidend für die fast stagnierenden Preise ist die Entwicklung auf den Energiemärkten. Im Vorjahresvergleich sanken die Preise für Energie insgesamt um 0,8 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Preise für Energie hätte die Teuerungsrate mit  1,1 Prozent etwas höher gelegen. Billiger waren im Mai vor allem Mineralölprodukte - leichtes Heizöl war 3,1 Prozent günstiger und Kraftstoffe verbilligten sich um 2,3 Prozent. Etwas teurer wurden hingegen Strom mit plus 1,8 Prozent und Gas (plus 0,4 Prozent. Die Ursachen beim Strom liegen in der Energiewende und der Subventionierung des Ökostroms begründet, die entsprechende EEG-Umlage steigt Jahr um Jahr und soll nun durch die Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG)stabilisiert werden.

Salat ist fast 40 Prozent günstiger

Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte stiegen die Preise für Nahrungsmittel im Mai nur um um 0,5 Prozent im Vergleich zum Mai 2013. Damit schwächte sich der Preisanstieg deutlich ab, nachdem Nahrungsmittel im April noch um 1,8 Prozent teurer geworden waren. Viel teurer als vor einem Jahr waren vor allem Molkereiprodukte (plus 9,7 Prozent), wobei insbesondere Quark (plus 15,2 Prozent) auffällt. Überdurchschnittliche . Preiserhöhungen ermittelten die Statistiker darüber hinaus bei Fisch und Fischwaren (2,5 Prozent) sowie bei Süßigkeiten (1,8 Prozent). Deutlich günstiger war im Mai vor allem Gemüse, was mit dem milden Winter zusammenhängt. Kopf- oder Eisbergsalat kostete zuletzt fast 40 Prozent weniger als vor einem Jahr, auch Paprika (28 Prozent), Tomaten (17 Prozent) und Kartoffeln (gut acht Prozent) waren viel günstiger. Weniger mussten Verbraucher auch für Speisefette und Speiseöle (minus 0,5 Prozent sowie Fleisch und Fleischwaren (minus 0,4 Prozent) bezahlen. Zudem waren Eier (minus 7,8 Prozent) deutlich günstiger. . 

Deutlich verteuerten sich im Mai alkoholische Getränke (2,6 Prozent, darunter Bier mit 3,5 Prozent), Tabakwaren (4,5 Prozent) sowie Zeitungen und Zeitschriften (4,8 Prozent). Günstiger waren hingegen insbesondere Geräte der Unterhaltungselektronik, darunter Fernsehgeräte (minus 8,5 Prozent) sowie Telefone (minus 10,8 Prozent). 

Die Mieten steigen um 1,5 Prozent

Die Dienstleistungspreise stiegen binnen Jahresfrist mit plus 1,4 Prozent überdurchschnittlich. "Diese Entwicklung wurde maßgeblich durch die Preiserhöhung der Nettokaltmieten bestimmt (plus 1,5 Prozent)", schreibt das Statistische Bundesamt. Für die Mieter geht rund ein Fünftel des Gesamtbudgets der privaten Haushalte drauf. Weitere Preiserhöhungen gab es nach Angaben der Statistiker zum Beispiel bei Sport- und Erholungsdienstleistungen (2,8 Prozent), Verbundfahrkarten (3,3 Prozent) und Friseurleistungen (4,2 Prozent).

Gewinner und Verlierer der niedrigen Inflationsrate (ein Auflistung der Deutschen Presseagentur):

- Verbraucher:
Konsumenten sind die großen Gewinner einer niedrigen Inflation. Denn Verbraucher bekommen bei konstanten Einkommen mehr für ihr Geld - ihre Kaufkraft ist umso höher, je langsamer die Preise steigen. Ein größerer Preisauftrieb würde Konsumenten belasten, wie die Bundesbank vorrechnet: „Ein Paar Schuhe kosten heute 100 Euro. Bei einer Inflationsrate von 5 Prozent muss man dafür in einem Jahr 105 Euro bezahlen, in 5 Jahren schon rund 128 Euro.“ Aktuell können sich in Deutschland Autofahrer ebenso freuen wie alle, die ihr Haus oder ihre Wohnung heizen müssen: Die Sprit- und Energiepreise liegen seit Monaten unter dem Vorjahresniveau.
- Arbeitnehmer und Rentner:

Wenn die Preise langsamer anziehen als die Löhne, steigen die Reallöhne und damit die Kaufkraft. Ähnlich profitieren Rentner: Denn in Deutschland ist die Lohnentwicklung die Grundlage der Rentenanpassung.
- Vermögende:

Sind die Inflationsraten niedrig, profitieren Menschen mit Geldvermögen: Es schrumpft langsamer.
- Kreditnehmer:

Bei einem sehr geringen Preisauftrieb weit unter der Marke von knapp 2 Prozent, bei der die Europäische Zentralbank (EZB) Preisstabilität gewahrt sieht, senken Notenbanken in der Regel die Zinsen. Geben das die Geschäftsbanken an ihre Kunden weiter, werden Kredite günstiger - für Verbraucher, die einen Fernseher, ein Auto oder ein Haus kaufen genauso wie für Unternehmen, die Investitionen finanzieren oder den Staat, der sich am Markt frisches Geld besorgt.

- Sparer:

Seit Monaten liegen die Zinsen auf Sparbuch oder Tagesgeldkonto sogar noch unter der mageren Teuerung. Unter dem Strich verlieren die Sparer also Geld. Deshalb wettern Sparkassen, Volksbanken und Versicherer: „Niedrigzinsen enteignen Sparer und reißen Lücken in die Altersvorsorge künftiger Rentner.“ Bei dem aktuellen Zinsniveau wären die Einbußen für Sparer jedoch noch größer, wenn die Inflation höher läge.
- Unternehmen und Arbeitnehmer: Je geringer die Teuerung, umso schwieriger wird es tendenziell für Unternehmen, Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen. Damit werden auch kräftige Lohnerhöhungen unwahrscheinlicher.
- Staat:

Als Großschuldner hat der Staat eigentlich Interesse an einem schnelleren Preisauftrieb: Der Realwert seiner Verschuldung nimmt umso stärker ab, je höher die Inflation ist. Dieses Phänomen hat EZB-Präsident Mario Draghi als einen Grund für die Maßnahmen der Notenbank gegen die niedrige Inflation bezeichnet: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.
- Euro-Krisenländer:

Ein Problem in diesen Ländern ist neben den hohen Schuldenbergen auch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Die Unternehmen müssen im Vergleich zur internationalen Konkurrenz versuchen, günstiger zu sein. Das sei jedoch umso schwieriger, je schwächer der Preisauftrieb ist, betont Draghi: „Es ist eine Sache, die relativen Preise bei einer Inflation von etwa 2 Prozent anzupassen. Es ist aber etwas ganz anderes, dies bei einer Rate von 0,5 Prozent zu schaffen.“ Denn damit seien Preis- und Lohnsenkungen erforderlich. Dies sei jedoch schwerer durchzusetzen, als Preise und Löhne nur langsamer zu erhöhen als die Konkurrenz.

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