Preise steigen kräftig : Die Inflation ist zurück

Sowohl in Deutschland als auch im Euro-Raum steht eine Zwei vor der Inflationsrate. Nun steigt der Druck auf die EZB, die Zinsen zu erhöhen.

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Shopping wird teurer. Die Inflation steigt, das Geld zum Einkaufen, hier die Mall of Berlin, wird weniger
Shopping wird teurer. Die Inflation steigt, das Geld zum Einkaufen, hier die Mall of Berlin, wird wenigerFoto: © Thomas Peter / Reuters

Lange Zeit war sie kein Thema, doch jetzt ist die Inflation wieder da. Am Mittwoch verkündete das Statistische Bundesamt, dass die Verbraucherpreise in Deutschland verglichen mit dem Vorjahr im Februar voraussichtlich um 2,2 Prozent gestiegen sind, am Donnerstag legte Eurostat für die Euro-Zone nach. Auch hier ziehen die Preise kräftig an. Für Februar schätzt Eurostat den Preisauftrieb in den 19 Euro-Ländern auf durchschnittlich zwei Prozent, das ist der höchste Stand seit vier Jahren.

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Schuld ist zum einen das Opec-Kartell der erdölexportierenden Länder, das mit seinen Förderkürzungen die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel in Euro-Land um 9,2 Prozent in die Höhe getrieben hat. Hinzu kommt das schlechte Wetter in Spanien. Schnee, Eis und Regen haben zu Missernten geführt und die Preise für Gemüse hochschießen lassen. Besonders betroffen sind das Hauptabnehmerland Deutschland und Spanien selbst. Bei uns mussten Verbraucher im Februar 4,4 Prozent mehr für Nahrungsmittel auf den Tisch legen, in Spanien stieg die Inflationsrate im Februar auf drei Prozent.

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Leidtragende dieser Entwicklung sind vor allem einkommensschwache Haushalte, die einen überproportional hohen Teil ihres Einkommens für den täglichen Konsum ausgeben. Aber auch Sparer haben zu kämpfen, weil sichere, festverzinsliche Anlagen so gut wie keine Zinsen bringen, die Inflation nun aber das Ersparte auffrisst.
Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) fordert daher die Europäische Zentralbank (EZB) und ihren Chef Mario Draghi zum Umsteuern und zu einer Abkehr von der „ultralockeren Geldpolitik“ auf. Das Sparvermögen in Deutschland betrage mehr als fünf Billionen Euro. Angesichts der Nullzins-Politik der EZB bedeuteten zwei Prozent Inflation, „dass Sparer allein in diesem Jahr 100 Milliarden Euro verlieren“, sagte Söder der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Auch der Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, findet, dass die EZB nun ihren Kurs des billigen Geldes ändern sollte. Fuest drängte Draghi, die Anleihekäufe ab April um monatlich zehn Milliarden Euro zu reduzieren.

Notenbanken pumpen Milliarden in das System

Seit rund zwei Jahren pumpen die EZB und die nationalen Notenbanken über Anleihekäufe Milliarden in das Finanzsystem, um die Wirtschaft anzuschieben. Derzeit kaufen die Notenbanken für 80 Milliarden Euro im Monat Anleihen auf, ab April werden es 60 Milliarden Euro sein. Zudem liegt der Leitzins in der Euro-Zone seit März vergangenen Jahres bei 0,0 Prozent. Mit ihren Aktionen will die EZB Banken dazu bringen, Kredite an Unternehmen im Euro-Raum auszugeben und eine Deflation – eine Preisspirale nach unten – zu vermeiden. Die europäische Notenbank verfolgt das Ziel, die Inflation im Euro-Raum auf einen Wert von knapp unter zwei Prozent zu steigern und dort zu halten. Die neuen Zahlen legen nahe, dass sie das nun geschafft hat.
Die Notenbanker gehen bei ihrer Geldpolitik aber von der sogenannten Kerninflation aus. Bei dieser werden Erhöhungen der Energie- und Nahrungsmittelpreise ausgeblendet. Die Kerninflation ist daher noch weiter von der Zwei-Prozent-Marke entfernt. Sie lag in Deutschland im Februar bei 1,0 Prozent. Daher dürfte Draghi – anders als seine US-Kollegin Janet Yellen – weiter an der Politik des ultrabilligen Geldes festhalten. Der EZB-Rat trifft sich am Donnerstag nächster Woche zu seiner nächsten Sitzung.
Zu den Kritikern des EZB-Kurses zählt Bundesbank-Chef und Ratsmitglied Jens Weidmann. Weidmann hat häufig Bedenken gegen die Geldschwemme der EZB angemeldet. So auch in dieser Woche bei einem Besuch in Slowenien. Die Geldpolitik müsse den Eindruck der Märkte vermeiden, dass die EZB nur eine Anpassung nach unten betreibe, aber davor zurückschrecke, „die Zügel in Zeiten höherer Risiken für die Preisstabilität anzuziehen", mahnte Weidmann.

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