Preiskampf : Milchbauern droht Kartellstrafe

Am Montag blockierten Landwirte rund 40 Molkereien. Ein schnelles Ende des Streits ist nicht in Sicht. Jetzt droht den Milchproduzenten Ungemach vom Kartellamt.

Maren Peters
Milsch
Milchbauern schütten derzeit lieber ihr Produkt auf die Straße, statt es an die Molkereien zu liefern. -Foto: Heinrich

Berlin - Die deutschen Milchbauern streiten sich nicht nur mit den Molkereien und dem Lebensmittelhandel, sondern vielleicht auch bald mit dem Bundeskartellamt. „Wir prüfen gerade, ob der Aufruf des Bundesverbands der Milchviehhalter zum Lieferstopp als Boykottaufruf zu werten ist“, sagte Behördensprecherin Silke Kaul dem Tagesspiegel. Das wäre nach Paragraf 21 des Wettbewerbsgesetzes rechtswidrig. Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen dem Verband Bußgelder in Millionenhöhe.

Unterdessen haben die Milchbauern ihre Proteste fortgesetzt. Hunderte Landwirte blockierten am Montag zahlreiche Großmolkereien und verhinderten so die Anlieferung der Milch und die Auslieferung der Produkte. Rund 40 der rund 100 deutschen Molkereien waren nach Aussage von Eberhard Hetzner, Chef des Milchindustrie-Verbandes (MIV), betroffen. Schwerpunkte lagen demzufolge in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz, wo einige Unternehmen bereits über Kurzarbeit nachdenken. Weniger als die Hälfte der sonst üblichen Milchmenge sei am Montag geliefert worden, sagte Hetzner. In einigen Regionen hätten die Bauern die Milch in den Supermärkten aufgekauft und an Kindergärten verschenkt.

So wie Branchenführer Nordmilch aus Bremen befürchteten viele betroffene Molkereien, dass tausende Tonnen Milch in den Tanklastern verderben. Auch lieferwillige Bauern könnten ihre vollen Milchtanks nicht leeren und seien gezwungen, gigantische Mengen frisch gemolkener Milch direkt in den Abfluss zu leiten.

Engpässe für die Verbraucher gebe es im Moment aber noch nicht, sagte MIV-Chef Hetzner. Beim größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka hieß es dagegen vorsichtig: „Punktuell kann es sein, dass es wegen der Molkereiblockaden zu einem verringerten Angebot in den Supermärkten kommt.“ Die Angst vor flächendeckenden Lieferproblemen sei aber unbegründet, sagte ein Sprecher. Die Metro-Gruppe, zu der auch Kaufhof und Real gehören, sieht nach eigener Aussage bislang überhaupt keine Engpässe.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), der seine Mitglieder seit vergangenen Dienstag zum Lieferstopp aufgerufen hatte, sagte dagegen: In ländlichen Regionen werde die Milch nach Berichten von Mitgliedern bereits rationiert. Die Industrie versuche deshalb offenbar, Milch von sehr weit her nach Deutschland zu transportieren.

Die Molkereien haben sich nach Einschätzung der Milchviehhalter zudem wohl mit Vorratskäufen aus Holland und Belgien frühzeitig auf den Boykott vorbereitet. „Die Milchindustrie hat offenbar im Vorfeld umfangreich eingekauft“, sagte eine BDM-Sprecherin.

Mit dem Lieferstopp wollen die Milchbauern höhere Erzeugerpreise erzwingen. Zurzeit bekommen sie zwischen 27 und 35 Cent, durchsetzen wollen sie aber 43 Cent für den Liter Frischmilch. Der Verbraucher zahlt im Supermarkt zurzeit mindestens 61 Cent für den Liter Milch – zwölf Cent weniger als zu Beginn des Jahres. Am Sonntag waren Gespräche mit der Industrie ergebnislos verlaufen. Das Durchschnittseinkkommen der Milchbauern hatte sich im Wirtschaftsjahr 2006/2007 – nach Jahren rückläufiger Erzeugerpreise – zwar um rund zehn Prozent auf durchschnittlich 2000 Euro brutto pro Monat erhöht. Die Bauern befürchten in diesem Jahr wegen der deutlich gesunkenen Erzeugerpreise aber wieder Einbußen.

Eine rasche Einigung in dem Milchstreit ist nach Einschätzung der Milchindustrie noch immer nicht in Sicht. „Das könnten sich bis in die nächste Woche hineinziehen“, sagte MIV-Chef Hetzner. Für den Abend war ein Treffen zwischen Bauern und Einzelhandel geplant. Ein Ergebnis sei aber nicht zu erwarten, hieß es bei Bauern und Industrie.

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