Wirtschaft : Preisrutsch bei UMTS-Diensten

Auch Mobilcom denkt über Rabatte nach, weil das Geschäft mit der neuen Mobilfunktechnik stockt

Corinna Visser

Berlin – Nach dem Mobilfunkkonzern Vodafone denkt nun auch der Telefondienstleister Mobilcom darüber nach, die Preise für UMTS-Dienste zu senken. „Auch wir überlegen das. Wir werden darüber mit Vodafone in Verhandlungen treten“, sagte Mobilcom-Chef Thorsten Grenz im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Das UMTS-Geschäft „läuft Verhalten an“, sagte Grenz. „Wir haben wenige tausend Datenkarten verkauft.“ Eigene UMTS-Produkte plane Mobilcom derzeit noch nicht. „Das tun wir erst, wenn wir das Nutzungsverhalten besser kennen.“

Mit den Rabattüberlegungen liegt Mobilcom im Trend. Gerade hat Konkurrent Talkline einen Tarif angekündigt, bei dem es die UMTS-Datenkarte für null Euro gibt, zudem entfällt für die ersten sechs Monate die Grundgebühr. Experten erwarten, dass angesichts der nicht ausgelasteten neuen Netze die UMTS- Preise auf breiter Front sinken werden. Mobilcom kann daher auf günstige Konditionen der Netzbetreiber hoffen. „Die Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern ist ausgezeichnet“, sagte Grenz. „An Kapazität fehlt es nicht, sondern an Beratung und Vertrieb. Da kommen wir ins Spiel.“

Mobilcom ist Service Provider und vertreibt Mobilfunkverträge für die Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und E-Plus. Im Jahr 2000 wollte Mobilcom selbst zum Netzbetreiber aufsteigen und ersteigerte gemeinsam mit France Télécom eine Lizenz für die neue Mobilfunktechnik UMTS – für rund 8,5 Milliarden Euro. Die Investitionen in UMTS haben das Unternehmen jedoch finanziell überfordert und 2002 an den Rand der Pleite gebracht. Das eigene UMTS-Netz hat Mobilcom inzwischen verkauft und die Lizenz zurückgegeben. Die Sanierung sei abgeschlossen, sagte Grenz.

Eine UMTS-Rechnung ist aber noch offen: Mobilcom und die anderen UMTS-Lizenznehmer streiten mit dem Finanzminister über die Rückerstattung der Umsatzsteuer von rund 1,2 Milliarden Euro pro Lizenz. Die wurde auf den Zahlungsbescheiden im Jahr 2000 nämlich nicht ausgewiesen. Bisher haben die Unternehmen nicht geklagt, weil sie die hohen Prozesskosten in Deutschland scheuen. T-Mobile und andere Netzbetreiber hatten aber in Österreich einen Musterprozess angestrengt, wo es um wesentlich geringere Summen geht. Wie erhofft, verwiesen die Richter die Klage jetzt an den Europäischen Gerichtshof (EuGH). „Der Verweis ist zweifellos ein Etappensieg“, sagte Grenz. Eine Entscheidung des EuGH brächte Rechtssicherheit auch in Deutschland. Bei Vodafone, T-Mobile, E-Plus und O2 hieß es am Freitag: „Wir warten mit einer eigenen Klage ab.“ Erst in zwei Jahren wird eine Entscheidung des EuGH erwartet. Ende dieses Jahres läuft jedoch in Deutschland die Verjährungsfrist ab. Auf die Einrede der Verjährung könnte der Finanzminister aber verzichten, um die Entscheidung des EuGH abzuwarten. Für alle Beteiligten sei dies die kostengünstigere Lösung, sagte Mobilcom-Chef Grenz.

In seinem Unternehmen erwartet Grenz für das zweite Halbjahr eine deutliche Steigerung der Kundenzahl. Im ersten Halbjahr hatte Mobilcom in etwa ebenso viele Kunden verloren wie neu gewonnen. „Wir erwarten, dass die Kundenfluktuation im zweiten Halbjahr abnehmen wird“, sagte Grenz. Mobilcom sei in der Kundenbindung besser geworden. Bis Ende 2004 will Grenz die Kundenzahl um 200000 auf dann 4,4 Millionen Kunden steigern.

Inzwischen hat Mobilcom mehr als 300 Millionen Euro in der Konzernkasse. „Das ist strategisch höchst komfortabel: Wir können kleinere Akquisitionen bar bezahlen und für größere Zukäufe haben wir ein großes Eigenkapitalpolster“, sagte Grenz. „Wir greifen zu, wenn es eine Kaufgelegenheit zu einem günstigen Preis gibt. Aber derzeit führen wir keine konkreten Gespräche.“

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