Wirtschaft : Premiere: Koflers Weg an die Spitze

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Als Bergsteiger weiß der Südtiroler Georg Kofler wie es ist, im tiefen Tal zu stehen und ganz nach oben zu müssen. Alpine Bergerfahrung hilft im Fall des chronisch defizitären Bezahlsenders Premiere, dessen Chef der 45-jährige Italiener seit Februar ist, aber nur begrenzt. Hier sitzt der Managerauf einem Vulkan, der jederzeit explodieren kann. "Premiere ist die aufregendste Versuchung, seit es Fernsehen gibt", sagte Kofler dagegen zum Amtsantritt vor rund vier Wochen. Andere Zeitgenossen aus der Branche sprachen von einem Himmelfahrtskommando. Sie sagten aber auch, wenn es einer schaffen könne, dann Kofler.

Kofler gilt als Macher. Einen guten Ruf in der Branche hat Kofler spätestens seit seiner Zeit bei Pro Sieben, dem Kirch-Kanal, den er 1988 noch unter dem Namen Eureka TV als Geschäftsführer übernommen hatte. Der TV-Manager mit dem sonnigen Gemüt machte daraus die vielleicht wertvollste Perle im maroden Reich des Leo Kirch. 1997 brachte er den heute profitabelsten TV-Sender Deutschlands als ersten seiner Art an die Börse. Im Jahr 2000 fand der Aufstieg des Holzfällersohns aus dem Südtiroler Pustertal aber zumindest öffentlich ein jähes Ende. Von einem Machtkampf mit Kirch-Vize Dieter Hahn und Mobbing war die Rede. Kofler schied bei Kirch aus, als dessen persönlicher Assistent und Büroleiter er 1987 in diesem Haus begonnen hatte. Fortan kümmerte sich "Mister Pro Sieben", wie er sich einmal selbst nannte, um den - wenig öffentlichkeitswirksamen - Aufbau der europäischen TV-Shopping-Gruppe HSE und den Verkaufssender Neun Live. Nun drängt es ihn zurück ins Rampenlicht. Seit 1999 hat der Chefposten bei Premiere wegen anhaltender Pannen und Erfolgslosigkeit drei Manager verschlissen. Aber weder diese Schicksale noch die Pleite von Kirch PayTV konnten den Ex-Skilehrer bisher beeindrucken.

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