Wirtschaft : Private Altersvorsorge gewinnt immer mehr an Bedeutung

FRIEDERIKE STORZ

Gerade die jüngere Generation sollte sich möglichst früh darum kümmern / Abwägen zwischen Rendite und Risiko / Zum Sparen gehört die richtige StrategieVON FRIEDERIKE STORZDas gesetzliche Rentensystem wackelt.Schon jetzt bekommt ein Rentner durchschnittlich nur knapp 2000 DM im Monat - und das nach 45 langen Beitragsjahren.Private Vorsorge tut not, will man sich einen sorglosen Lebensabend sichern.Mit einer guten Anlagestrategie und regelmäßigem Sparen kommt jeder ans Ziel. Gerade jüngere Menschen, die sich nicht auf eine ausreichende Rente vom Staat verlassen können, sollten möglichst früh beginnen, regelmäßig Geld fürs Alter zurückzulegen.Banken, Sparkassen, Fondsgesellschaften, Bausparkassen und Versicherer bieten eine Vielzahl an Produkten.Die Palette reicht von Aktien über Renten- und Offene Immobilienfonds bis zu Bundesschatzbriefen, Kapital-Lebensversicherungen, privaten Rentenpolicen und einem Eigenheim.Da die Berater vielfach nur ihre Standardprodukte verkaufen wollen, sollten sich Vorsorgewillige selbst kundig machen, welche Strategie für sie die günstigste ist.Wichtig ist: Versicherungsschutz und Vermögensbildung trennen.An erster Stelle steht die Absicherung existentieller Risiken, etwa durch eine Privathaftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung oder - bei Familien - eine Risikolebensversicherung.Erst danach kommt der Aufbau des Privatvermögens. Je früher man mit dem Sparen fürs Alter beginnt, desto niedriger ist der monatliche Betrag, den man dafür aufwenden muß.Wer beispielsweise mit 65 Jahren eine halbe Mill.DM auf dem Konto haben möchte, muß bei einem Zinssatz von drei Prozent monatlich 442 DM anlegen, errechnete die Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest.Vorausgesetzt, man startet das Sparkonzept mit 20 Jahren.Wer erst mit 30 Jahren loslegt, muß monatlich 544 DM ausgeben, mit 40 klettert die Monatsrate bereits über 1000 DM. Das Geld sollte natürlich so ertragreich wie möglich investiert werden.Dabei ist abzuwägen zwischen Rendite und Risiko.So sind niedrigverzinste Sparbücher zwar sicher, aber wenig rentabel.Ihre mageren Zinsen werden auf lange Sicht von der Inflation aufgefressen.Hochspekulative Anlagen wie Optionsscheine oder Gold eignen sich aber ebensowenig für eine sichere Altervorsorge.Experten empfehlen grundsätzlich eine Streuung auf mehrere Anlageformen, das mindert das Risiko. Unentbehrlich für eine ertragreiche, langfristige Anlage sind Aktien.Vor allem in Form von Aktienfonds sind sie für die Altersvorsorge interessant.Solche Fonds verteilen das Vermögen auf verschiedene in- und ausländische Aktien und federn so das Risiko von Kursschwankungen ab.Im Gegensatz zu einzelnen Aktien sind Fondsanteile schon ab 100 DM pro Monat zu haben.Die Auswahl des richtigen Fonds verlangt aber ein gutes Händchen, denn die Differenz zwischen schlechtestem und bestem Ergebnis beträgt je nach gewähltem Typ bis zu vier Prozent.Ein Vorteil: Die Anleger sind flexibel.Wer allerdings kurzfristig an sein Geld will, muß einkalkulieren, daß die Kurse an der Börse zu diesem Zeitpunkt im Keller sein könnten.Wichtig bei Aktien: auch bei Börsentiefs Ruhe bewahren und keine verlustbringenden Panikverkäufe starten.Zudem die Anteile mindestens sechs Monate halten, sonst muß der Kursgewinn versteuert werden. Für Anleger, die nicht in Aktienfonds investieren möchten, bieten sich die weniger riskanten Rentenfonds an.Sie legen ihr Geld in festverzinslichen Wertpapieren an.Die Renditen lagen in der Vergangenheit mit sieben Prozent deutlich unter denen von Aktienfonds (acht bis zehn Prozent), dafür ist die Auswahl des "richtigen" Fonds einfacher.Die Zinserträge von Rentenfonds sind allerdings steuerpflichtig. Ein weiterer Fondstyp und auch eine Alternative zum direkten Erwerb eines Eigenheims sind sogenannte offene Immobilienfonds.Sie investieren vorwiegend in gewerbliche Objekte, etwa Bürogebäude.Ihr Wert wächst langsam, aber kontinuierlich.Negative Aspekte sind der hohe Ausgabeaufschlag und die hohen Verwaltungskosten, weshalb sich eine Anlage frühestens nach zwei Jahren bezahlt macht. Eine Alternative zu Rentenfonds sind Bundesschatzbriefe.Der Anleger leiht dabei dem Staat Geld und bekommt dafür, sechs oder sieben Jahre lang, feste Zinsen.Es gibt zwei Typen von Schatzbriefen, Typ A (sechs Jahre Laufzeit, mit jährlicher Zinsgutschrift) und Typ B (sieben Jahre, Zinsansammlung), wobei letzterer aufgrund der Zinseszinseffekte etwas besser abschneidet.Achtung: Vor allem bei Typ B wird der Sparerfreibetrag schnell überschritten, wenn am Ende die Zinsen komplett ausbezahlt werden.Die Rendite der aktuellen Serien liegt bei fünf Prozent, aber wenn sich das Zinsniveau erhöht, kann der Anleger von seinem Umtauschrecht Gebrauch machen und bekommt dann für seine bisherigen besserverzinste Briefe.Der Kauf von Bundesschatzbriefen ist bei jeder Bank oder Sparkasse gebührenfrei.Wer seine Papiere bei der Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg deponiert, zahlt keine Gebühren. Weit verbreitet sind bei deutschen Anlegern auch Kapital-Lebensversicherungen.Hier ist das Spargeld sicher aufgehoben, liegt aber fest.Bei Kündigung in den ersten Beitragsjahren gibt es oft nicht einmal die eingezahlten Beiträge zurück.Auch beim Ausstieg zur Mitte der Laufzeit erhält man meist nur den Sparbuchzins.Sie kombinieren Sparplan und Hinterbliebenenschutz.Ihre Erträge sind unter folgenden Voraussetzungen steuerfrei: Der Vertrag muß mindestens zwölf Jahre laufen, mindestens fünf Jahre lang müssen regelmäßig Beiträge bezahlt werden.Bei Verträgen ab April 1996 muß zudem ein Todesfallschutz von 60 Prozent der Beitragssumme bestehen.Die Renditen schwanken je nach Gesellschaft zwischen fünf und sieben Prozent.Der Vergleich lohnt: Ein Prozentpunkt Unterschied macht bei einem 27-Jahres-Vertrag mit 3000 DM Jahresbeitrag über 30 000 DM aus, errechnete die Stiftung Warentest. Welche Anlageform die richtige ist, hängt vom Alter und der familiären Situation ab.Am risikofreudigsten, etwa in Aktienfonds, können junge Leute investieren.Bis zur Abrechnung bleibt ihnen noch reichlich Zeit, so daß sie auch schwankende Kurse in Kauf nehmen können.Vorsichtiger sollten jene sein, die später einmal bauen wollen.Für sie ist eine kurzfristige Verfügbarkeit des Vermögens wichtig.Wer bauen will, sollte aber mindestens 20 bis 30 Prozent an Eigenkapital mitbringen, sonst ist das Finanzierungsrisiko zu hoch.Immobilien sind dennoch eine vernünftige Vorsorgeform, denn sie garantieren mietfreies Wohnen im Alter. Ab 40 Jahren haben viele ein Steuerproblem.Liegen die jährlichen Zinseinkünfte über 6100 DM (Ehepaare 12 200 DM), kassiert das Finanzamt 30 Prozent.Alles, was über 100 000 DM (Ehepaare 200 000 DM) hinausgeht, sollte deshalb in steuerbegünstigten Anlagen untergebracht werden, etwa in Aktienfonds oder Lebensversicherungen.Nach der geplanten Steuerreform sind Rentenpolicen ohne Kapitalwahlrecht am attraktivsten: Nur sie bleiben steuerfrei.Ab 50 Jahren wird Sicherheit bei der Vorsorge immer wichtiger.Das Vermögen sollte auf weniger stark schwankende Anlagen wie Rentenfonds oder offene Immobilienfonds umgeschichtet werden.Im Ruhestand darf der Sparer endlich ernten.Experten empfehlen, einen Teil des Vermögens (niemals alles) in einer Sofortrente anzulegen und bei Fonds mit Entnahmeplänen zu arbeiten.So zehrt er alles nach und nach auf.

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