Private Postdienste : Postzusteller Pin entlässt 1000 Mitarbeiter

Eskalation im Postgewerbe: Der private Zusteller Pin macht Ernst mit seiner Drohung von Massenentlassungen. Hintergrund sind die Mindestlohnpläne der Koalition. Und es könnte noch schlimmer kommen.

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Anfang Oktober protestierten Mitarbeiter der Pin Mail AG in Berlin gegen den Mindestlohn (Archivbild) . -Foto: ddp

Luxemburg Über die Entlassung von 1000 Mitarbeitern hinaus sei eine Vielzahl weiterer Arbeitsplätze im Konzern gefährdet, teilte das Unternehmen mit. Der Schwerpunkt der Massenentlassungen liege auf den Ländern Niedersachsen und Bayern. "Mit dem überhöhten Mindestlohn wurde bewusst in Kauf genommen, dass Investments in Milliardenhöhe am Standort Deutschland zunichtegemacht werden und zigtausende von Arbeitsplätzen bei den privaten Briefdienstleistern verloren gehen", kritisierte Pin-Chef Günter Thiel.

Springer-Chef Matthias Döpfner hatte angekündigt, "alle Optionen von der Weiterführung über Kooperationen bis hin zum Verkauf" der Pin zu prüfen. Der Springer-Konzern ist mehrheitlich an dem Post-Konkurrenten beteiligt. Pin erzielt bei einem Umsatz um die 300 Millionen Euro noch Verluste im hohen zweistelligen Millionenbereich. Döpfner hatte für die Mehrheit an Pin 510 Millionen Euro bezahlt. Der Holtzbrinck-Verlag, in dem der Tagesspiegel erscheint, hält noch eine Minderheitsbeteiligung.

Scheitert die Liberalisierung auf dem Postmarkt?

Bereits gestern reagierte der erste Konkurrent der Deutschen Post, TNT Post, mit der Absage einer geplanten Kooperation auf die Einigung über einen Mindestlohn. Die Tochter des niederländischen Konzerns TNT, und Hermes Logistik, der Paketdienst des Versandhändlers Otto, legten ihre Pläne zur Öffnung des 13.500 Shops umfassenden Hermes-Filialnetzes für das Briefgeschäft von TNT Post vorerst auf Eis. Das Projekt sowie weitere Investitionen dafür würden unverzüglich gestoppt, teilte TNT Post mit. Die Liberalisierung des Postmarktes für Verbraucher, Freiberufler und Kleinunternehmen müsse vorläufig als gescheitert betrachtet werden.

Damit wird künftig nur die Deutsche Post ein 12.000 Shops umfassendes Filialnetz mit Briefannahmestellen betreiben. Nach langem Streit hatten sich Union und SPD auf die Einführung eines Mindestlohns ab 2008 verständigt. Er soll zwischen acht (Ost) und 9,80 (West) Euro je Stunde liegen. Die Konkurrenten der Post kritisieren das als zu hoch. Sie zahlen den Zustellern durchschnittlich 7,33 Euro.

Post-Aktie im Höhenflug

Unterdessen setzte die Aktie der Post ihren Kursanstieg fort. Allein gestgern lag das Plus bis zum Abend bei 1,7 Prozent auf 23,61 Euro. „Die Aktie profitiert davon, dass die Politik Mindestlöhne in der Branche durchsetzt“, sagte Axel Funhoff, Analyst von ING. So werde das „Quasi- Monopol“ der Post gefestigt. Die Post zahlt bislang in der Regel höhere Löhne als ihre Konkurrenten und gewinnt nun an Wettbewerbsfähigkeit.

Für die Aktien der Konkurrenten TNT und Springer sei die Einigung über den Mindestlohn dagegen eine schlechte Nachricht. Funhoff erwartet, dass die Post-Konkurrenten nun zunächst die Preise erhöhen und abwarten werden, was mit ihren Umsätzen passiert. In einem späteren Schritt könnte sich TNT aus Deutschland verabschieden, wenn die Renditeziele nicht erreicht würden. (ho/dpa/Tsp)

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