Private Postdienste : Sieben Pin-Gesellschaften sind pleite

Springer dreht den Geldhahn zu - prompt melden die ersten Tochtergesellschaften des privaten Postdienstleisters Pin Insolvenz an. Sieben der 91 Ableger des Unternehmens sind betroffen.

Pin AG
Schieflage: Wie viel ist von der Pin AG zu retten? -Foto: ddp

KölnSieben Tochterunternehmen des angeschlagenen Postdienstleisters Pin haben heute Insolvenz angemeldet. Sie hätten beim Amtsgericht in Köln, dem deutschen Sitz der Gruppe, die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, teilte ein Pin-Sprecher in Köln mit. Dies war zwingend gewesen, weil die Unternehmen die heute fälligen Sozialversicherungsbeiträge für ihre Mitarbeiter nicht mehr zahlen konnte. Betroffen seien etwa 850 der in Deutschland insgesamt rund 9000 Beschäftigten der Pin Group AG (Luxemburg). Der Geschäftsbetrieb sämtlicher 91 Gesellschaften solle aber zunächst unverändert weitergehen.

Das Amtsgericht habe den Kölner Rechtsanwalt Andreas Ringstmeier zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der in dieser Woche mit der Pin-Sanierung beauftragte Experte Horst Piepenburg und der Unternehmensberater Hans-Joachim Ziems führten den Betrieb uneingeschränkt fort. Beide erklärten, sie sähen die Chancen für die Gesamtgruppe durch die Insolvenzanträge nicht beeinträchtigt. "Das gilt auch für die insolventen Gesellschaften, deren Geschäftsabläufe auch in den nächsten Monaten weiterhin normal ablaufen werden", sagte Piepenburg laut Mitteilung.

Liquidität wird geprüft

Nach Angaben von Pin wird nun zunächst die Liquidität aller Gesellschaften geprüft. Auf Basis dieser Ergebnisse werde bis Mitte Januar 2008 über das weitere Vorgehen entschieden. "Ziel ist es, eine Gesamtlösung zu finden", sagte der Pin-Sprecher. "Das wäre in diesem Fall besonders sinnvoll, weil es für ein Postunternehmen wichtig ist, dass es flächendeckend Post verteilen kann."

Bei den sieben insolventen Gesellschaften handele es sich um den PPD Privaten Postdienst Bremen, die Pin Mail GmbH in Kassel, die Pin Mail Osthessen GmbH (Fulda), TV Medienservice (Trier), Pin Mail München, Pin Mail Landshut und Pin Shared Service Center (Köln).

Gewerkschaft will gegen Post-Mondestlohngesetz klagen

Der nach der Deutschen Post AG zweitgrößte Briefzusteller in Deutschland war in Schwierigkeiten geraten, nachdem der Medienkonzern Axel Springer als Hauptgesellschafter den Geldhahn zugedreht hatte. Als Grund hatte Springer den Bundestags-Beschluss über den Mindestlohn genannt. Der Medienkonzern hatte den Zuschussbedarf für Pin auf 300 bis 700 Millionen Euro beziffert.

Die Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ) kündigte an, um gefährdete Arbeitsplätze zu kämpfen. Mit dem Mindestlohn habe die Bundesregierung offenbar beschlossen, den von der GNBZ abgeschlossenen Tarifvertrag zu ignorieren. Dies verstoße gegen Recht und Gesetz. Die GNBZ werde dies rechtlich klären lassen. (ae/ha/dpa)

 

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