Wirtschaft : Pro Sieben AG: Schwierige Kinder in der Kirch-Familie (Kommentar)

Henrik Mortsiefer

Die deutsche Fernsehnation hat eine neue Senderfamilie: Unter dem Dach der Kirch-Gruppe vereinen sich Sat 1 und Pro Sieben zum größten deutschen TV-Konzern knapp vor dem Verbund von Bertelsmann und CLT-Ufa. Eine "Liebeshochzeit" wie Pro Sieben-Chef Urs Rohner meint, ist die Fusion freilich nicht. Eher ein Zweckbündnis, das seinen Charme erst noch unter Beweis stellen muss. Denn hinter der Sender-Ehe steht die schlichte Erkenntnis, dass sich im Fernsehgeschäft die Renditen nicht mehr von selbst, sondern nur noch durch Einsparungen und eine intelligentere Wertschöpfung steigern lassen. Das heißt: Statt auf wachsende Werbeeinnahmen und unersättliche Fernseh-Konsumenten zu spekulieren, müssen die Medienkonzerne ein dichtes, die TV-Kanäle verbindendes Netz knüpfen. Werbezeiten und Programme werden aufeinander abgestimmt, Wiederholungen über die gesamte Senderfamilie verteilt, Einkauf und Vermarktung aus einer Hand organisiert.

Ob sich alle Kinder der Kirch-Familie in diese neue Verwertungsgemeinschaft einfügen lassen, ist fraglich. Kirch hat einen strategischen Vorteil: Er hat die alleinige Hausmacht. Bertelsmann muss stets mit seinem Partner CLT-Ufa handelseinig werden, außerdem gehören die RTL-Töchter RTL 2 und Super RTL den Güterslohern nicht allein. Aber RTL ist eine starke Marke, die der gesamten Gruppe Profil gibt. Anders bei der Pro Sieben Sat 1 Media AG, die schon im Namen verrät, dass es zwischen den Konzern-Ältesten Sat 1 und Pro Sieben noch zu Verteilungskämpfen kommen wird. Beide Vollprogramme buhlen nämlich um die Gunst der zahlungskräftigsten Zielgruppe des werbefinanzierten Fernsehens. Ein bisher ungelöster Konflikt. Kirch muss aufpassen, dass nach der Liebeshochzeit nicht schon bald der Haussegen schiefhängt.

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