Wirtschaft : Pro Sieben am ersten Tag bei 95 DM

Geschäftsführer Kofler hochzufrieden: Emission erfolgreicher als der Börsengang der Telekom

FRANKFURT (MAIN) (ro).Bei 87 DM und damit deutlich unter den vorbörslich erreichten Werten von über 100 DM wurde die Aktie des Fernseh-Senders Pro Sieben am Montag mit dem ersten Kassakurs gehandelt.Am Schluß des ersten Handelstages an der Frankfurter Börse waren es dann immerhin 95 DM.Die 17,5 Mill.Vorzugsaktien waren zu einem Preis von 72 DM an die Aktionäre gegangen.Wegen der 50fachen Überzeichnung der Emission kam nur jeder zehnte Interessent zum Zuge.Vorstandschef Georg Kofler zeigte sich am Montag hochzufrieden mit dem Börsengang, weil 1,26 Mrd.DM erlöst wurden, von denen 360 Mill.DM dem Unternehmen und der Rest von 900 Mill.DM dem Pro-Sieben-Miteigentümer Thomas Kirch zufließen.Relativ gesehen war der Börsengang nach Ansicht Koflers erfolgreicher als die Emission der Deutschen Telekom im vergangenen November.Damals war die Emission um das Fünffache überzeichnet gewesen, was einem Nachfragevolumen von rund 100 Mill.DM entsprochen hatte.Bei Pro Sieben war die Nachfrage 50 Mal höher als die angebotenen Aktien, das Volumen dieser Orders lag bei 61 Mrd.DM."Die Pro-Sieben-Aktie hat mit nur sechs Prozent des Emissionsvolumens der Telekom gut 60 Prozent des Nachfragevolumens der T-Aktie erzielt", freute sich Kofler. Kritik an der Zuteilung wies Kofler zurück.Angesichts der großen Nachfrage hätte es keinen anderen Weg als die Auslosung gegeben.Die Auslosung sei bei den Banken mit Hilfe eines Zufallgenerators erfolgt.Unabhängig von der Zahl der georderten Aktien wurde am Ende nur jeder zehnte Interessent bedient.Dabei wurde je nach Bestellvolumen auch die Stückzahl begrenzt.Kofler warb am ersten Handelstag dafür, die Pro-Sieben-Aktie nicht nur als kurzfristiges Investment zu betrachen, sondern langfristig zu halten."Wir kaufen und entwickeln heute schon Programme, deren Marktanteile und Renditen erst nach dem Jahr 2000 zum Tragen kommen." Kofler deutete an, daß man mit dem Emissionserlös das eine oder andere Unternehmen kaufen werde, "um unser Medienhaus der audiovisuellen Kommunikation zu vervollständigen".Der Börsengang sei ein Grundstein für eine langfristige und strategische Positionierung des Unternehmens.Auch RWE-Chef Hans Reischl, dessen Unternehmen 40 Prozent der Pro-Sieben-Stammaktien hält, betonte, man wolle vorerst keine Aktien abgeben. "Sie verlängern unseren Kurszettel, Sie machen ihn bunter und lebendiger", begrüßte Werner Seifert, der Vorstandschef der Deutsche Börse AG den ersten Börsengang eines Fernsehsenders.Seifert äußerte allerdings auch Kritik, weil Pro Sieben den freiwilligen Übernahmekodex für deutsche Unternehmen nicht unterschrieben hat.Damit werden bei Firmenkäufen unter anderem auch die Interessen der Kleinanleger berücksichtigt.Seifert kündigte an, daß in Frankfurt künftig Unternehmen nur noch dann in die Börsenindizes aufgenommen werden, wenn sie den Übernahmekodex anerkannt haben.

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