Wirtschaft : Profite in Zeiten der Börsenflaute

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Von Dirk Benninghoff

Der Aktien-Boom ist Vergangenheit, Anleger beklagen hohe Verluste und Unternehmen den Verfall ihres Börsenwertes. Neues Kapital lässt sich am Aktienmarkt kaum noch besorgen. Doch auf Nachschub müssen zumindest die großen Konzerne nicht verzichten: Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) sind als Geldquelle gefragter denn je. Für Investoren bieten Anleihen, bei denen der Anleger nicht Anteilseigner, sondern Gläubiger des Unternehmens ist, die Chance auf sichere Renditen bei geringen Kursschwankungen. Zudem schlugen die Festverzinslichen im Kursvergleich die Dividendentitel zuletzt deutlich. Doch Bond ist nicht gleich Bond: Unter den immer zahlreicheren Milliarden-Anleihen europäischer Konzerne lauern auch diverse Risiko-Papiere.

Anleihen im Volumen von 207 Milliarden Euro brachten Europas Unternehmen und ihre Emissionsbanken im vergangenen Jahr an den Kapitalmarkt – ein neuer Rekord. Gleichzeitig steigt allerdings auch die Zahl der Insolvenzen. Zu Beginn des Jahres wurden beispielsweise in den USA so viele Pleiten angemeldet wie nie zuvor. Dadurch platzten 41 Anleihen im Gesamtwert von 31 Milliarden US-Dollar. Ist ein Unternehmen zahlungsunfähig, so bekommt auch der Anleihegläubiger kaum noch etwas von seinem Geld zu sehen (siehe Interview). Auch in Deutschland machten Anleger mit Insolvenzen schmerzhafte Erfahrungen, beispielsweise bei Holzmann oder beim Baudienstleister Mühl Product Services, der mit einer Verzinsung von stolzen 7,25 Prozent lockte.

Die Rendite der Corporate Bonds ist ohnehin höher als bei den Staatsanleihen. Durchschnittlich erhält der Gläubiger ein bis 1,5 Prozent mehr Zinsen für sein Geld, stellt er es einem Unternehmen und nicht der öffentlichen Hand zur Verfügung. Bei zu hohen Zinsen sollten Anleger allerdings skeptisch werden: So genannte Junk Bonds garantieren Zinsen von mehr als zehn Prozent - aber nicht die Rückzahlung der Anlagesumme.

Doch auch abseits des „Anleihen-Schrotts“ steigt die Verzinsung. Bestes Beispiel sind die europäischen Telekom-Anleihen. Mit der Begebung von Milliarden-Bonds können die Konzerne Kapital hereinholen, ohne neue Kredite aufzunehmen. Die hohe Verschuldung der Telefon-Riesen führt allerdings dazu, dass die Zinsen ihrer Anleihen steigen. Denn die Rating-Agenturen Standard & Poor’s und Moody’s sehen die Kreditwürdigkeit zunehmend kritischer. So lautet das Rating für die Deutsche Telekom von Moody’s nur noch „Baa1“ und von Standard & Poor’s „BBB+“.

Experten empfehlen Anlegern, die ein hohes Risiko vermeiden wollen, sich in anderen Anleihen zu engagieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte erst ab dem Rating „A“ einsteigen. Ein einfaches „A“ steht für eine starke Zahlungsfähigkeit, die aber beeinflusst wird von Veränderungen der Konjunktur und der jeweiligen Branche. Der Höchstwert ist ein dreifaches „A“. Vorteil der schlechter benoteten Bonds aus Anlegersicht: Die Unternehmen müssen als Risikoausgleich höhere Zinsen zahlen. So statten die großen Telekom-Konzerne ihre aktuellen Bonds derzeit meist mit Kupons von mehr als sechs Prozent aus.

Wegen der hohen Zinsen hat das schlechte Rating das Interesse der Anleger an der neuesten Telekom-Anleihe nicht geschmälert. Bonds im Wert von fünf Milliarden Euro wurden von dem Bonner Konzern begeben - nach Angaben der Telekom waren die Papiere dreifach überzeichnet. Sollten die Agenturen die Bonität der Telekom in Zukunft noch schlechter beurteilen, erhalten die Anleger eine Entschädigung: Der Zinskupon steigt bei einer Herabstufung um 0,5 Prozentpunkte. Für Fondsmanager Frank Hagenstein, Experte für Unternehmensanleihen bei Union Investment, ist die T-Anleihe ein „riskantes Investment“, das durch andere Anlagen abgesichert werden sollte. Anleihen sollten über alle Sektoren gestreut werden, meint Hagenstein. Grundsätzlich werden sie zwar als sicherer Hafen gesucht, wenn es an den Aktienmärkten bergab geht. Aber fundamental negative Meldungen schlagen sich auch auf die Bonds nieder.

Fondsmanager Hagenstein hat daher andere Branchen in seinem Anleihe-Portfolio übergewichtet; beispielsweise Automobil- oder Bankanleihen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der liegt nach Ansicht von Analysten und Fondsmanagern auch mit Anleihen großer Versorger wie Eon, das im Mai Bonds über sechs Milliarden Euro an die Anleger gebracht hat, und RWE richtig. Die Kreditwürdigkeit ist hoch, die Zinsen sind solide.

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