Wirtschaft : ProSiebenSat1 sendet mit Gewinn

Mediengruppe rechnet im Gesamtjahr dank eines harten Sparkurses mit deutlicher Ergebnisverbesserung

Nicole Adolph

München - Der massive Sparkurs des US-Medienunternehmers Haim Saban beim Fernsehkonzern ProSiebenSat1 zeigt Wirkung. Ein Jahr nach der Übernahme durch Saban hat die Senderkette ihr bestes Halbjahresergebnis in der Firmengeschichte erzielt. Erstmals haben alle vier Sender – ProSieben, Sat1, Kabel1 und N24 – vor Steuern schwarze Zahlen geschrieben. „Die ProSieben- Sat1-Gruppe hat wieder Fahrt aufgenommen“, stellte Vorstandschef Guillaume de Posch am Freitag in München fest. Die ProSieben-Aktie legte bis zum Schluss um 4,30 Prozent auf 13,35 Euro zu.

Nach langem Tauziehen hatte sich Saban im vergangenen Jahr im Poker um den größten deutschen Fernsehkonzern gegen Konkurrenten wie den Bauer-Verlag durchgesetzt. Der US-Milliardär zog bei der Senderkette – das Herzstück des ehemaligen Kirch-Imperiums – neue Seiten auf: Er tauschte fast das gesamte Management aus, baute Stellen ab und beschaffte sich über eine Kapitalerhöhung Geld, um den Schuldenberg abzubauen.

Nach Angaben von de Posch ist das erste Halbjahr 2004 besser verlaufen als geplant. Das gute Ergebnis sei nicht nur auf Umsatzzuwächse bei den Sendern, sondern „zu einem maßgeblichen Teil auch auf das Kostenmanagement“ zurückzuführen. Die Sendergruppe habe in dem Halbjahr noch bessere Zahlen geliefert als im Boomjahr 2000, sagte de Posch.

Im zweiten Quartal 2004 hat ProSiebenSat1 die Erwartungen von Analysten deutlich übertroffen. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) legte im Vergleich zum Vorjahr um 84 Prozent auf 118,3 Millionen Euro zu. Der Gewinn stieg von 22 Millionen auf 47,6 Millionen Euro. Der Quartalsumsatz erhöhte sich um sechs Prozent. De Posch sagte, der Konzern habe wegen der Fußball-Europameisterschaft im Juni nicht damit gerechnet, so gut abzuschneiden. Das Turnier war von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen worden. Die Sendergruppe habe jedoch dank weiterer Verträge mit Hollywood-Studios von einer besseren Programmversorgung profitiert, sagte de Posch.

Deutliche Zugewinne habe das „Sorgenkind Sat1“ verzeichnet. Im gesamten ersten Halbjahr schaffte der lange Zeit kränkelnde Sender den Sprung in die Gewinnzone. Der Nachrichtensender N24 erreichte erstmals seit seinem Start vor fünf Jahren in einem zweiten Quartal ein positives Ergebnis. De Posch bekräftigte, N24 solle im Jahr 2005 profitabel sein.

Für das Jahr 2004 zeigte sich der Vorstandschef optimistisch. Er geht davon aus, dass der TV-Werbemarkt um zwei Prozent zulegen wird. ProSiebenSat1 wolle dabei besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Das Ebitda solle bei rund 330 Millionen Euro liegen. Beim Zuschauer- Marktanteil will man 29,5 Prozent erreichen und so dichter an den schärfsten Konkurrenten RTL heranrücken.

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