Wirtschaft : Protest gegen Umbau der Allianz

Stefan Kaiser

Düsseldorf - Beschäftigte des Versicherungskonzerns Allianz haben auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den radikalen Umbau des Unternehmens hart kritisiert. „Im Deutschland-Geschäft bleibt kein Stein mehr auf dem anderen“, klagte Betriebsrat Jens Schulski in seiner Rede vor mehreren Tausend Aktionären in Düsseldorf. Vor dem Eingang der Hauptversammlung verteilten Mitglieder der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Flugblätter, auf denen sie Standort- und Beschäftigungsgarantien für die rund 40 000 Mitarbeiter in Deutschland forderten. Diese seien völlig verunsichert und demotiviert. Konzernchef Michael Diekmann bestätigte, dass es zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen werde, nannte aber keine konkrete Zahl.

Hintergrund ist die Bündelung der bisher getrennten Sparten für Lebens-, Sach- und Krankenversicherung in einer Deutschlandholding. Analysten rechnen mit einer vierstelligen Zahl von Entlassungen. Die Arbeitnehmervertreter verlangen, über die konkreten Umbaupläne des Allianzkonzerns und die damit verbundenen Konsequenzen für die Mitarbeiter besser informiert zu werden. Allianzchef Diekmann versprach, die Ungewissheit so rasch wie möglich zu beenden.

Der eigentliche Anlass der außerordentlichen Hauptversammlung geriet durch die Proteste an der geplanten Neuordnung des Deutschlandgeschäfts fast in den Hintergrund. Die Aktionäre sollten zwei weitere Teile des großen Umbauplanes absegnen: die Verschmelzung mit der italienischen Tochtergesellschaft RAS und die gleichzeitige Umwandlung der Allianz in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE). Die Allianz ist der erste deutsche Konzern, der diesen Schritt macht. Die Europa-AG erleichtert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für europaweit tätige Unternehmen. Dadurch können die Verwaltungskosten gesenkt werden.

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