Wirtschaft : Proteste gegen EnBW trotz guter Zahlen Bilanzfälschungsvorwurf trübt Hauptversammlung

Anselm Waldermann

Karlsruhe/Berlin - Der Vorstand der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) musste sich auf der Hauptversammlung am Freitag trotz guter Zahlen lautstarken Protesten stellen. Während vor der Karlsruher Stadthalle Atomkraftgegner gegen den drittgrößten deutschen Stromversorger protestierten, sorgten in der Halle aufgebrachte Aktionäre für Unruhe. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte vor wenigen Tagen wegen des Verdachts der Bilanzfälschung ein Ermittlungsverfahren gegen EnBWChef Utz Claassen eingeleitet. Gegen dessen Vorgänger Gerhard Goll wird seit längerem aus demselben Grund ermittelt. Ein weiterer Vorstand geriet ins Visier der Staatsanwälte, weil er zu Unrecht einen Doktortitel geführt haben soll.

Vor seinen Aktionären wehrte sich Claassen gegen die Kritik: „An den Vorwürfen, die gegen mich erhoben werden, ist nichts, aber auch gar nichts dran. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“ Unabhängige Experten wie der Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim sprechen dennoch von einem „Imageschaden für die EnBW“. Für den Kapitalmarkt sei dies aber nicht relevant. „Die Anleger blicken nach vorne.“ Claassen habe daher „eine relativ gute Chance“, heil aus der Sache herauszukommen, vermutet Heck.

Ohnehin dürften ihn die guten Zahlen, die der Vorstandsvorsitzende vorlegte, stärken. Demnach kam die EnBW im ersten Quartal 2005 auf einen Gewinn von 303,3 Millionen Euro nach 166,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Dividende soll in diesem Jahre um ein Viertel auf 88 Cent steigen. „Die mageren Jahre nach der Strommarktliberalisierung sind vorbei,“ kommentiert Analyst Heck.

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