Wirtschaft : Prozeßfinanzierer geht an die Börse

FRANKFURT (MAIN) (ADN). Mit der Berliner Foris AG geht am 19. Juli ein Unternehmen mit einem weltweit einzigartigen Unternehmenskonzept an den Neuen Markt der Frankfurter Börse. Seit Mitte 1998 finanziert Foris Rechtsstreitigkeiten ab einem Streitwert von 100 000 DM und übernimmt in vollem Umfang das mit der Prozeßfinanzierung verbundene Kostenrisiko. Im Erfolgsfall erhält das Unternehmen dafür aus dem Prozeßerlös eine Erfolgsbeteiligung in Höhe von 50 Prozent der realisierten Klagesumme nach Abzug der angefallenen Kosten. In das Rechtsgebiet von Foris fallen unter anderem Arzthaftung, Gesellschaftsrecht, Ansprüche ausländischer Mandanten bis hin zu Ansprüchen gegen Kommunen, Länder und die Bundesrepublik Deutschland, sagte Christian Rollmann, Mitglied des Vorstandes, am Montag vor Journalisten in Frankfurt.Wer in Deutschland eine Klage bei Gericht einreicht, hat es Foris zufolge nicht leicht. Im Falle des Unterliegens drohten erhebliche Prozeßkosten, die in nicht wenigen Fällen die Existenz der Kläger gefährdeten. In Deutschland würden jedes Jahr 53 000 Klagen mit einem Streitwert von über 100 000 DM bei Gericht eingereicht. Der durchschnittliche Streitwert dieser Prozesse betrage 400 000 DM. Statistisch gesehen gewinne der Kläger zu 52,5 Prozent. Die Grundidee des Unternehmens ist nach eigenen Angaben aus der anwaltlichen Praxis geboren. Foris finanziert Prozesse, die der Kläger selbst nicht führen kann oder will und deren Risiken weder durch Prozeßkostenhilfe noch durch eine Rechtsschutzversicherung gedeckt sind. Bereits im Sommer 1998 seien alle in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugelassenen Rechtsanwälte angeschrieben worden. Mittlerweile finanziert das Berliner Unternehmen nach eigenen Angaben über 90 Fälle mit einem Gesamtstreitwertvolumen von 85 Mill. DM. Foris steige zu jedem beliebigen Zeitpunkt in ein Verfahren ein, sagte Rollmann. Banken und Versicherungen übernehmen derartige Finanzierungen nicht.Rund 2000 Aktionäre, 50 Prozent davon Anwälte, hat die Foris AG bereits. Nun werden bis Mittwoch 329 000 Inhaber-Stammaktien einem breiten Publikum in einer Spanne von 39 bis 45 Euro zur Zeichnung angeboten. Emissionsbank ist die HSBC Trinkaus & Burkhardt KGaA. Die Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung unter Ausschluß des Bezugsrechts. Bis jetzt schrieb das Unternehmen rote Zahlen. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet es mit einem Jahresverlust nach Steuern von 860 000 DM. Ab 2000 sollen aber schwarze Zahlen geschrieben werden. Im Jahr 2000 wird mit einem Gewinn nach Steuern von gut fünf Mill., im Jahr 2001 von 6,5 Mill. DM gerechnet. Ferner soll im Jahr 2002 erstmals eine Dividende gezahlt werden.

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