Wirtschaft : Puma-Aktionäre wollen mehr Geld

Anleger finden PPR-Angebot für Sportartikelkonzern zu niedrig / Konzernchef Zeitz: Jobs sind sicher

Nicole Huss

Nürnberg - Die Aktionäre des Sportartikelherstellers Puma haben das Übernahmeangebot des französischen Luxuskonzerns PPR als zu niedrig kritisiert und eine Nachbesserung gefordert. „Warum sollte ein Aktionär auf das Angebot eingehen, wenn er an der Börse mehr erzielen könnte?“, fragte Gerhard Jäger von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Sportartikelherstellers in Nürnberg. PPR bietet 330 Euro je Puma- Aktie, an der Börse war das Papier am Mittwoch jedoch mehr als 20 Euro teurer. Jäger forderte PPR auf, über ein höheres Angebot nachzudenken. Bislang summiert es sich auf 5,5 Milliarden Euro.

Puma-Chef Jochen Zeitz verteidigte dagegen den PPR-Plan. Puma erhalte nicht nur die Unterstützung eines finanzstarken Konzerns. Das Unternehmen profitiere auch von der globalen Ausrichtung von PPR, der Erfahrung im Einzelhandel und weltberühmten Designern innerhalb der Markengruppe, sagte Zeitz vor rund 300 Aktionären. PPR habe die volle Eigenständigkeit zugesichert, wolle keine Stellen abbauen und die Strategie des Vorstands unterstützen.

Der Konzernchef bekräftigte, er halte das Angebot von 330 Euro pro Puma-Aktie für fair. In einem Interview hatte er zuvor aber nicht ausgeschlossen, dass PPR noch Geld drauflegen könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass noch andere Bieter ins Rennen um Puma einsteigen, hält er für „relativ gering.“ Es gab aber auch Spekulationen an der Börse, wonach Nike Interesse an Puma haben könnte.

PPR hatte dem Puma-Mehrheitseigentümer, den Tchibo-Geschwistern Herz, am Dienstag ihre Anteile von 27 Prozent über deren Beteiligungsgesellschaft Mayfair abgekauft und angekündigt, den restlichen Aktionären 330 Euro je Aktie zu bieten. Da der Kurs des Puma-Papiers bis zum späten Dienstagnachmittag erneut um 1,8 Prozent bis auf fast 350 Euro stieg, rieten viele Analysten und Aktionärsschützer von einem Verkauf ab. „Das ist ein extrem gutes Geschäft für PPR, für uns Aktionäre ist es das nicht“, bemängelte ein Teilhaber in Nürnberg.

Gerhard Jäger von der SdK sprach sich gegen eine komplette Übernahme aus. „Es wäre schade, wenn die Aktionäre künftig nicht mehr am Erfolg von Puma partizipieren könnten“, sagte er. Er sei davon überzeugt, dass auch ohne die Hilfe von PPR noch gewaltiges Potenzial in Puma stecke. Für das abgelaufene Geschäftsjahr hob Puma die Dividende um 25 Prozent auf 2,50 Euro an.

Elisabeth Mauritz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) befürwortete die Übernahme durch PPR zwar generell. Sie forderte aber konkretere Angaben zu den Plänen von PPR. „Wir wollen nicht nur reine Absichtserklärungen hören“, sagte sie. Bisher sei nicht sicher, inwieweit Puma nach der Übernahme frei agieren könne.

Mauritz kritisierte auch, dass nach der Übernahme drei Vertreter von PPR in den Puma-Aufsichtsrat einziehen sollen. In dem Kontrollgremium sollen dann von Seiten des PPR-Konzerns dessen Vorstandschef Francois-Henri Pinault, Finanzvorstand Jean-Francois Palus und der für die PPR-Unternehmensentwicklung zuständige Grégoire Amigues sitzen. Tchibo-Erbe Günter Herz und zwei seiner Manager wollen sich dafür zurückziehen. Die Regelung soll in Kraft treten, sobald die EU-Kommission den Zusammenschluss von PPR und Puma freigegeben hat. Puma-Chef Zeitz rechnet damit bis Ende Juni.

Zeitz zerstreute Befürchtungen von Aktionären, bei einer Übernahme durch den Luxuskonzern PPR könne der Sport bei Puma ins Hintertreffen geraten. „Wir werden weiter in sportliche Kompetenz investieren“, versicherte er. PPR ergänze Puma ideal, da Sport immer modischer und Mode immer sportlicher werde. PPR vereint Luxusmarken wie Gucci und Yves Saint Laurent unter seinem Dach.

Im abgelaufenen Jahr steigerte Puma seinen Umsatz um 34 Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Euro und machte 236,2 Millionen Euro Gewinn. Bis 2010 will Puma den Umsatz auf rund vier Milliarden Euro steigern. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, wollen die Franken in neue Märkte vorstoßen, externe Marken zukaufen und in neue Produktkategorien investieren. Zeitz prophezeite Puma riesiges Entwicklungspotenzial. „Bei unserem Marathon haben wir gerade erst das Höhentraining hinter uns“, sagte er.

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