Wirtschaft : Qualitiätsoffensive gegen den Preisdruck

DÜSSELDORF (val).In Deutschland steigen die Preise kaum, die Preisstabilität ist sicher.Doch während der Verbraucher zufrieden über den kleinen Geldsegen in seinem Portmonnaie sinnieren kann, sorgt sich die Markenartikelbranche über ihre Einnahmen.Zum Jubeln ist Wolfgang Hainer, dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des deutschen Markenverbands überhaupt nicht zumute: "Die Unternehmen stehen unter massivem Preisdruck", sagt er.Und die niedrige Inflationsrate von 0,7 Prozent signalisiere, daß dies nicht bald bessern werde, obwohl die Renditen "sowieso schon zum Weinen sind".Dem Verband gehören heute rund 300 Firmen an, darunter der Nahrungsmittelunternehmer Kraft Jacobs Fischer, die Kosmetikfirma Loreal oder der Tabakproduzent R.J.Reynolds Tobacco."Besonders für diese konsumnahen Unternehmen bietet der Preis kaum noch Spielraum", klagt Hainer.Den Preiskampf kennt auch Günther Mierendorff, Mitarbeiter der Berliner Einzelhandelskette Butter Lindner, die mit ihrer "Lindner-Butter" und ihrem "Lindner-Krustenbrot" eher den wohlbetuchten Kunden anlockt.Lindner will seine Preise nicht erhöhen.Das Familienunternehmen setzt auf Kundenservice, auf "Qualität statt Spottpreisen".Auch in der Küchenbranche drückt das niedrige Preisniveau in Deutschland auf die Gewinne.Der Berliner Einbauküchenverkäufer Bernd Friedel, seit 35 Jahren im Geschäft ist, spricht sogar von einem "Preisverfall".Immer mehr Billigküchen glänzen neben Markenprodukten von Poggenpohl oder Bulthaupt in den Prospekten.

Der Autohersteller Audi versucht, seinen Käufer mit mehr Komfort bei gleichem Preis zu locken, wie Audi-Sprecher Joachim Cordshagen beteuert.Klimaanlagen oder Amaturenbretter mit allerlei Schnickschnack gehörten schon zum Standardprogramm, ebenso die 12jährige Garantien gegen Durchrostung.Denn gerade in Zeiten mit niedrigem Preisniveau gelte es, das Herz und nicht nur das Portemonnaie des Kunden zu gewinnen.Sein Reparatur- und Verkaufsgelände nennt der Autohersteller daher eine "Erlebniswelt" mit jeder Menge Service.Nicht nur die großen Namen lassen sich angesichts der stagnierenden Preisniveaus etwas einfallen.Die Düsseldorfer Bäckereikette Kamps zum Beispiel, die inzwischen mit dem Berliner Brötchenmacher Ostrowski fusioniert ist, versucht auf ihre Weise, mit dem wachsenden Preisbewußtsein ihrer Kunden zurechtzukommen."Die Brötchen können wir ja schließlich nicht verteuern", sagt Kamps-Sprecherin Birgit Pizolla.Um neue Kunden buhlt Kamps neuen mit Brotvariationen: Ein dreieckiges Volkorn-Teil heißt Kamps-Eck.Damit will der Rheinländer demnächst auch den Berliner Bäckern Paroli bieten.

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