Wirtschaft : Rackerwochen in den Autohäusern

In der Vorweihnachtszeit überbieten sich die Hersteller mit Rabatten, um die Jahresbilanz zu retten

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Frankfurt am Main Für Autokäufer wird diese Adventszeit zu einer echten Schnäppchenzeit. Um ihre Verkaufs- und Marktanteilsziele noch zu erreichen, bescheren die Hersteller ihren Kunden zum Jahresende noch einmal deutliche Rabattaktionen. „Im Dezember versuchen einige Marken, mit allen Mitteln Autos in den Markt zu drücken“, bestätigt Roland Stach von Eurotax-Schwacke. Die Analysten der Bank Credit Suisse First Boston stellen in ihrem jüngsten Bericht sogar fest, dass in der Rabattschlacht „amerikanische Verhältnisse“ herrschen.

Im Schnitt betragen die Rabatte laut Center Automotive Research (CAR) schon seit Längerem 15 Prozent, bei vielen Angeboten wird dieses Niveau in der Kombination von Hersteller- und Händlernachlässen noch unterboten. Besonders hart ist die Preisschlacht auf dem europäischen Schlüsselmarkt Deutschland, auf dem die Aussichten, mit dem reinen Autoverkauf noch Geld zu verdienen, schrumpfen. Die Hoffnung, mit neuen Modellen der Rabattschlacht zu entfliehen, greift längst nicht mehr bei allen Neuwagen.

Beispiel Renault. Der französische Hersteller, der bei der Zahl der Neuzulassungen in Deutschland im bisherigen Jahresverlauf deutlich unter dem Vorjahr liegt, zeigt ein Herz für kinderreiche Familien. Die Aktion „Rackerwochen“, die ursprünglich Ende des Monats auslaufen sollte, wird nach Informationen aus dem Unternehmen verlängert. Dabei erhalten Autokäufer je nach Zahl der Kinder zehn (ein Kind) bis 16 Prozent (vier Kinder) auf alle Modelle – bei einem Auto für 25 000 Euro sind das rund 4000 Euro.

Bis zu 5000 Euro Preisvorteil bietet seit dem Wochenende Opel beim Kauf von Sondermodellen. Der Rabatt ergibt sich aus einer Kombination von kostenlosen Ausstattungsvarianten und günstigen Finanzierungsmodellen. Besonders mit günstigen Finanzierungen können zunehmend Privatkunden in die Autohäuser gelockt werden.

Die Wolfsburger Marke Volkswagen setzt gleich auf mehrere Instrumente, die in der Summe ebenfalls zu satten Rabatten führen. Günstige Finanzierungen, billigere Sondermodelle und für Führerscheinneulinge sogar noch einen Bonus von immerhin 1 000 Euro offeriert das Unternehmen seinen Kunden. Der italienische Konkurrent Fiat zahlt für Gebrauchte, die in Zahlung genommen werden, deutliche Aufschläge zum eigentlichen Wert. Das Angebot gilt beispielsweise auch für den Kleinvan Idea, der in Deutschland nicht einmal ein Jahr auf dem Markt ist. Als Zugabe gibt es vom Händler noch einen Weihnachtsbaum.

Auch Peugeot und Citroën greifen tief in die Tasche und bieten selbst auf noch junge Modelle wie den Peugeot 307 als „Peugeot-Weihnachtsgeld“ satte Nachlässe. Die Rabattschlacht macht nicht einmal mehr vor absolut neuen Modellen halt. Für den Citroën C 4, der jetzt erst zu den Händlern kommt, wurde Interessenten im Vorfeld bereits ein saftiger Preisnachlass von 1200 Euro angeboten. Ganz frech agiert die koreanische Opel-Schwestermarke Daewoo. Wer noch dringend flüssige Mittel für die Weihnachtseinkäufe braucht, erhält beim Kauf eines Daewoo einen Verrechnungsscheck über 500 Euro direkt auf die Hand.

Nur wenn die Rabattaktionen erfolgreich sind, kann es gelingen, in Deutschland die Zulassungszahlen des Vorjahres noch zu erreichen. Denn noch hängen sie deutlich zurück. Damit droht das fünfte Jahr in Folge mit rückläufigen Neuanmeldungen. Noch sieht der Verband der Autohersteller VDA allerdings Chancen, dem Vorjahresergebnis von 3,24 Millionen neu zugelassenen Autos sehr nahe zu kommen, wie sein Präsident Bernd Gottschalk in der vergangenen Woche wieder betonte. Helfen könnte dabei auch, darauf verweisen die Analysten der ING-BHF, dass es in den letzten beiden Monaten dieses Jahres vier Arbeits- und damit auch vier Verkaufstage mehr als im Vorjahr gibt.hof/HB

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