Wirtschaft : Rätselraten um Berliner Hagenuk-Werk

Angeblich gerettet / Doch die Verträge sind noch nicht perfekt BERLIN (hej).Das Hagenuk-Werk in Berlin ist gerettet.200 der bisher 286 Arbeitsplätze bleiben erhalten.Das meldeten die Nachrichtenagenturen am Dienstag mit Verweis auf Vergleichsverwalter Hans-Jürgen Beil.Die Verträge seien "im wesentlichen verabschiedet".Der italienische Telefonhersteller Telital, der die Handy-Sparte von Hagenuk übernehme, wolle nur in Berlin weiterproduzieren und den Standort Kiel, an dem 450 Mitarbeiter ebenfalls Handys fertigen, schließen.Die moderne Betriebsstätte und die höheren Fördermittel hätten den Ausschlag zugunsten der Berliner gegeben, hieß es.Doch Freudenausbrüche sucht man an der Spree vergeblich.Der vermeintliche Vertragsschluß mit Telital sei "nicht spruchreif", sagt Michael Wehran, Sprecher von Berlins Wirtschaftssenator Elmar Pieroth.Man habe die Italiener zwar generell über die Fördermöglichkeiten für Investitionen in der Hauptstadt informiert, doch Konkretes sei noch nicht vereinbart."Eine Ente", heißt es auch beim Betriebsrat im Berliner Hagenuk-Werk."Die Verträge sind noch nicht unterschrieben", weiß der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Lachmann.Einige Fragen seien noch zu klären, außerdem hätten noch nicht alle Gremien in Italien grünes Licht gegeben.Mit einem - für Berlin positiven - Abschluß rechnet Lachmann Ende nächster Woche.Für die gezielte Indiskretion sind Kreise im Schwesterwerk Kiel verantwortlich, vermutet der Betriebsrat.Schon seit Wochen kämpfen die Arbeitnehmervertreter beider Standorte für ihre Werke - und somit gegeneinander.Während die Ratinger Tiptel AG im März den Bereich schnurlose Telefone, ISDN-Systeme und Computerkommunikation von Hagenuk in Kiel gekauft hatte, hängt die GSM-Handy-Sparte noch immer in der Luft.Neben den Beschäftigten in Kiel und Berlin sind auch die rund 70 Ingenieure im GSM-Entwicklungszentrum betroffen.Angeblich will Telital aber auch die Entwicklungsabteilung übernehmen."Es sieht positiv aus", räumt Lachmann ein.Wenn sich Berlin tatsächlich durchsetzen könnte, wäre das für die Arbeitnehmervertreter an der Spree "ein Riesenerfolg".Dem Vernehmen nach will Tiptel 120 Arbeitsplätze sofort und 80 weitere Jobs mittelfristig garantieren.Das von Vergleichsverwalter Beil für eine Auffanggesellschaft bereitgestellte Kapital hätte nur drei Monate lang gereicht, wenn man alle derzeit noch Beschäftigten von dem Geld hätte unterstützen müssen, sagt Lachmann.Wenn man jetzt aber nur 86 Mitarbeitern unter die Arme greifen muß, würde die Summe bis zum Jahresende reichen.Die Liquiditätsprobleme der Hagenuk Telecom waren im vergangenen November bekannt geworden.Im Dezember beantragte die Geschäftsführung für das Unternehmen, das insgesamt 1300 Mitarbeiter beschäftigte, Vergleich.

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