Wirtschaft : Raus aus dem türkischen Winter

Sun Express, eine Tochter der Lufthansa, will künftig nach Ägypten fliegen

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Ägypten ist auch im Winter ein Reiseziel, die türkische Küste nicht. Foto: AFP
Ägypten ist auch im Winter ein Reiseziel, die türkische Küste nicht. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Die türkische Fluggesellschaft Sun Express will einen deutschen Ableger gründen und den hiesigen Airlines Konkurrenz machen. Ein Antrag auf eine deutsche Betriebsgenehmigung wurde gestellt, der Aufsichtsrat will Anfang Dezember über die Gründung der deutschen GmbH entscheiden, sagte Geschäftsführer Paul Schwaiger dem Tagesspiegel. Sun Express ist eine gemeinsame Tochter von Turkish Airlines und der Lufthansa, die 1990 mit einem Flugzeug in Antalya gegründet wurde. Vor wenigen Tagen hat die Airline ihre 25. Boeing 737-800 übernommen. Für das laufende Jahr erwartet Schwaiger ein Wachstum auf knapp sieben Millionen (2009: 5,6 Millionen) Passagiere und einen Umsatz von rund einer halben Milliarde Euro.

Anlass zur geplanten Gründung der deutschen Tochtergesellschaft ist das fünfmonatige „Winterloch“ in Antalya, in dem ein Teil der Maschinen nicht ausgelastet ist. Da die Sun-Express-Flotte aber analog zu den auch in den kommenden Jahren erwarteten zweistelligen Zuwachsraten im Türkei-Tourismus wachsen soll, musste man sich nach neuen Märkten umsehen. Dabei kam man auf das klassische Winterziel Ägypten. Verschiedene Türkei-Reiseveranstalter, die bereits Partner von Sun Express sind, haben auch das Rote Meer im Angebot. Deshalb rechnet sich die Fluggesellschaft hier trotz starker Konkurrenz gute Chancen aus. Als türkische Airline hat man zwischen Deutschland und Ägypten aber keine Verkehrsrechte.

Bereits in diesem Winter stationiert Sun Express zwei in der Türkei registrierte Maschinen in Stuttgart und Frankfurt am Main und bietet von dort aus erstmals Nonstop-Flüge zu türkischen Provinzstädten wie Gaziantep, Kayseri und Trabzon. Im kommenden Jahr werden dann drei weitere 737-800 geleast, die in Deutschland registriert werden sollen, um im Sommerflugplan diese Strecken zu übernehmen. Im Winter 2011/12 ist dann der Einstieg ins Ägyptengeschäft geplant.

Vor wenigen Tagen hat das Luftfahrtbundesamt bereits einer anderen türkischen Fluggesellschaft die Lizenz für eine deutsche Tochter erteilt. Die Düsseldorfer German Sky Airlines gehören zur Kayi-Touristikgruppe mit dem deutschen Ableger GTI-Travel und werden zunächst eine Boeing 737-800 einsetzen. Die deutsche Fluggesellschaft Hamburg International hat indessen erst vor wenigen Wochen Insolvenz beantragen müssen. Bremenfly hat den Flugbetrieb Anfang November vorläufig eingestellt, um die strategische Ausrichtung des Unternehmens zu prüfen, wie es in einer Mitteilung heißt. Air Berlin kündigte an, wegen der dann geltenden Luftverkehrssteuer ihre Kapazität im kommenden Jahr um fünf Prozent reduzieren zu wollen. Rainer W. During

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