Referenzkurs : Rekord-Euro belastet die Exporte

Der Euro ist stark wie nie zuvor und hat am Donnerstag erstmals die Marke von 1,40 Dollar übersprungen. Experten warnen vor einer Zinserhöhung in Europa.

Berlin - Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,4030 Dollar fest. Wirtschaftsvertreter und Forscher befürchten, dass die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen unter der Aufwertung des Euro leidet. Denn ihre Waren werden für Kunden aus dem Ausland nun teurer.

„Ich sehe eine Gefahr, dass die Euro-Stärke die deutschen Exporte drücken wird“, sagte Alfred Steinherr, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Tagesspiegel. 2008 könne dies auch Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen haben. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag fürchtet Nachteile für deutsche Exporteure. „Die Margen werden jetzt enger“, sagte Konjunkturexpertin Alexandra Böhne.

Die Euro-Stärke hat nach Ansicht der Experten zwei Gründe: Die relative Schwäche der US-Konjunktur, die den Dollar weniger attraktiv macht, und die sinkende Zinsdifferenz zwischen dem Dollar- und Euro-Raum. Die US-Notenbank hatte am Dienstag den Leitzins auf 4,75 Prozent gesenkt und ihn dem Satz der Europäischen Zentralbank (EZB) angenähert, der bei 4,0 Prozent liegt.

Die EZB hatte zuletzt angedeutet, die Zinsen weiter erhöhen zu wollen. Einige Experten halten das für falsch. „Es wäre ein starkes Stück, die Zinsen jetzt anzuheben. Das würde den Dollar noch mal nach unten treiben“, sagte DIW-Experte Steinherr. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy forderte die EZB am Donnerstagabend in einem Fernsehinterview auf, sich an der Zinssenkung der US-Notenbank ein Beispiel zu nehmen. Bundesbank-Präsident Axel Weber sieht im Euro „eine Erfolgsgeschichte Europas sondergleichen“. Anlässlich der Feier zum 50. Geburtstag der Deutschen Bundesbank sagte Weber, die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten erheblich größere Auswirkungen haben können, „hätten wir unsere Währungen nicht zusammengebunden“. Stefan Kaiser

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