Wirtschaft : Regierung verschenkt Euro-Kleingeld zum Start der neuen Währung

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Sparsamkeit zählt in den Niederlanden zu den populärsten Tugenden. Fleißig horten die Bewohner des Königreichs Rabattmarken, jagen mit sportlichem Eifer Sonderangeboten nach und legen ihre sauer verdienten Gulden umsichtig auf die hohe Kante. Das Sparverhalten ihrer Landeskinder hat sich die Regierung in Den Haag in den letzten Jahren zum Vorbild genommen und sich in ein eisernes Sparkorsett gezwängt. Unerbittlich wacht Finanzminister Gerrit Zalm im Kabinett über die strikte Einhaltung der von ihm verordneten ,,Ausgabendisziplin'. Die Bemühungen des emsigen Sparmeisters haben durchaus Erfolg: Erstmals seit den 70er Jahren wies sein Haushalt im vergangenen Jahr kein Defizit, sondern sogar einen Überschuss auf.

Nun hat der gestrenge Kassenwart der Nation die Niederländer mit einer revolutionären Ankündigung überrascht: Jeder erwachsene Bürger soll Ende nächsten Jahres ein Säckel voll mit Euro-Münzen erhalten. Der schmucke Plastikbeutel, mit dem Den Haag die Niederlander vor Weihnachten 2001 beglücken will, soll nicht nur umfassende Informationen zur neuen Währung enthalten. Darin werden auch alle acht Euro-Münzen von einem Eurocent bis zum 2-Eurostück klappern. Insgesamt sind sie 3,88 Euro wert.

Knapp 50 Millionen Euro-Kleingeld will Den Haag in rund zwölf Millionen Geldsäkkeln kurz vor der offiziellen Premiere der neuen Münzen unter den Landeskindern verteilen. Die Verwaltungkosten für die aufwendige Verteilaktion werden auf 25 Millionen Euro geschätzt. Die Bürger sollen sich mit Hilfe der staatlichen Morgengabe besser an den Euro gewöhnen können, so dass die Einführung der neuen Münzen am 1. Januar 2002 problemloser verlaufe. So erläutert Ministeriumssprecher Stephan Schrover die ungewöhnliche Großzügigkeit seines sonst so auf Sparsamkeit bedachten Hauses. Keineswegs seien die klingenden Münzen dazu gedacht, den Bürgern den schmerzlichen Abschied vom liebgewonnenen Gulden zu versüßen. "Wir planen keine Propaganda-Aktion", sagt Schrover.

Ganz allein wollen die Gulden- und Eurofuchser des Finanzministeriums das von ihnen erdachte Geldgeschenk indes nicht finanzieren. Auch die Niederländische Zentralbank soll sich nach dem Willen von Den Haag an den Kosten des staatlichen Kleingeldsegens beteiligen. Den Hütern der Staatskasse sei der Sparsinn keineswegs abhanden gekommen, versichert denn auch der Ministeriumssprecher ausdrücklich. Obwohl sich die Konsumenten eigentlich auch an die neuen Euro-Scheine gewöhnen müssen, werden diese im offiziellen ,,Euro-Startset' fehlen. Vor möglichen Fälschungen könne das Ministerium die Bürger nur mit umfassenden Informationsmaterial warnen, bedauert Schrover. Denn die Ausgabe von Geldscheinen sei einfach ,,zu kostspielig'.

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