Wirtschaft : Reinhard Mohn regelt Besitzverhältnisse neu

GÜTERSLOH (ws/HB). "Kontinuität herstellen in einer Zeit, die durch Wandel geprägt ist", dies ist das Ziel Reinhard Mohns. Der "Gründer, Architekt und treibende Kraft der Bertelsmann AG", wie er im Unternehmen bezeichnet wird, vollendete am 29. Juni sein 78. Lebensjahr. Nun macht er den letzten Schritt, sein Haus zu bestellen, das mit knapp 30 Mrd. DM Gruppenumsatz und über 60 000 Mitarbeitern in mehr als 50 Ländern zu den größten Medienkonzernen der Welt gehört. Doch ganz wird Mohn die Zügel nicht aus der Hand geben.

Mit dem 1. Juli 1999 wird eine Regelung wirksam, die bislang erst für den Fall des Ablebens Mohns geplant war: Die rund 90 Prozent der Stimmrechte an der Bertelsmann AG, die bislang von Mohn persönlich gehalten worden waren, werden auf die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH übertragen. Die restlichen Stimmrechte liegen derzeit noch bei der Zeit-Stiftung. Die Verwaltungsgesellschaft, die "wie ein Aktionär handeln wird", hat zunächst acht, langfristig sechs Gesellschafter. Bis zu seinem Tode wird Reinhard Mohn Gesellschafter und auch Geschäftsführer sein.

Der Bertelsmann Verwaltungs GmbH gehören der Aufsichtsratsvorsitzende Mark Wössner, Vorstandsvorsitzender Thomas Middelhoff, das Mitglied des Aufsichtsrates Dieter Vogel, Vorstandsmitglied Gerd Schulte-Hillen, die Ehefrau Liz Mohn sowie der Betriebsratsvorsitzende Erich Ruppik an. Geschäftsführer des Führungsgremiums ist Mark Wössner. Bis zum Tod sind auch Reinhard Mohn und sein Testamentsvollstrecker, Bertelsmann-Finanzvorstand Siegfried Luther, Gesellschafter. Wichtige Entscheidungen müssen mit Dreiviertelmehrheit gefällt werden. Theoretisch könne, dies räumt Mohn ein, auch er überstimmt werden.

Mohn betrachtet den eingeschlagenen Weg zunächst als einen Versuch. Man dürfe die Ewigkeit nicht am Moment festmachen, sondern müsse frei bleiben in der Gestaltung. Das neue Konzept soll zunächst erprobt werden. "Ich will sehen, ob wir das richtig gedacht und gemacht haben." Aus diesem Grunde könne zu seinen Lebzeiten die Satzung, deren Zweckmäßigkeit jährlich zu prüfen sei, jederzeit geändert werden. Nach seinem Tode werde es für fünf Jahre zunächst keine Änderung geben.

Noch in den nächsten Monaten hofft Mohn, die Anteile der Zeit-Stiftung an der Bertelsmann AG übernehmen und dann einziehen zu können. Danach wären dann etwa 77 Prozent der Bertelsmann Aktien im Besitz der Stiftung, knapp 23 Prozent bei den Mitgliedern der Familie Mohn. Letztere könnte, wie Reinhard Mohn erklärte, "später veräußern", allerdings nur an die Firma und dies nur zu einem schon jetzt festgelegten Preis. Einen Gang an die Börse schließt Mohn für die Bertelsmann AG weiter aus.

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