Wirtschaft : Reisebranche: Neu rechnen

Für Lufthansa-Chef Jürgen Weber ist die Welt wieder in Ordnung. Sieben Monate nach den Terroranschlägen in den USA ist für ihn die Krise offizell überwunden. Immer mehr Flieger werden von ihrer Parkposition abgerufen - ein sicherer Beleg dafür, dass das Airline-Management wieder Aufwind spürt. Michael Frenzel, erster Mann beim führenden Tourismuskonzern Preussag mit den Airlines Hapag Lloyd und Britannia im Schlepptau, bleibt dagegen vorsichtig. Auf dem Weg nach oben sieht sich Frenzel mit seiner neuen "World of TUI" zurzeit jedenfalls nicht. Fluggeschäft ist eben nicht gleich Fluggeschäft.

Frenzel muss mit über acht Prozent weniger Buchungen klar kommen und hat seinem Haus einen verschärften Sparkurs verordnet - ein Novum für die erfolgsverwöhnte Reisebranche. Noch vor wenigen Wochen war der Konzernchef weitaus zuversichtlicher. Mit Mallorca-Müdigkeit aber hat die Lage nichts mehr zu tun. Bleibt abzuwarten, ob das letzte Wort schon gesprochen ist. Haupt-Konkurrent Thomas Cook hat jedenfalls viel früher die Notbremse gezogen und seinem Haus ein Kostensenkungsprogramm in dreifacher Schärfe verpasst.

Das Problem der gesamten Branche: Im Vertrauen darauf, dass die Kundschaft im Zweifel am Urlaub zuletzt spart und einem Veranstalter treu bleibt, wurde in den vergangenen Jahren im großen Stil zugekauft. Nach dem Motto "Alles aus einer Hand" haben sich die beiden großen Kontrahenten Preussag / TUI und Thomas Cook / Neckermann & Condor Flugzeuge und Hotelkapazitäten ans Bein gebunden, die ausgelastet werden müssen. Jetzt wird neu gerechnet. Der Rückgriff auf konzerneigene Flotten oder Hotels ist kein Garant für Erfolg. Im Gegenteil: Im Wettbwerb um die Touristen hat nur der die Nase vorn, der am flexibelsten auf die Reiselaunen reagieren und - nach Bedarf auch mal außer Haus bestellen kann.

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