Wirtschaft : Reisen: Das ist der Euro im Urlaub wert

Olaf Krohn

Allzu viel Freude macht der Euro im Portemonnaie Urlaubern im Jahr eins nach der Bargeld-Einführung nicht. In 44 von 75 untersuchten Staaten ist unser neues Geld nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamts weniger wert als zu Hause. Wer sein Urlaubsziel nach der Kaufkraft auswählt, kommt an der Türkei und Osteuropa nicht vorbei. In der Ferne lohnen Südafrika und Australien - wenn man die teure Anreise geflissentlich übersieht.

Auf den internationalen Devisenmärkten, die die D-Mark schon vor drei Jahren zu Grabe getragen hatten, wirkte sich die Einführung des Euro-Bargelds im Januar nicht nennenswert aus. Die Schwäche des "Euro 2002" entspricht in etwa der Schwäche der "D-Mark 2001". US-Dollar und britisches Pfund sind weiterhin sündhaft teuer, so dass der Euro auf jedem Flug nach Florida, Kalifornien oder London praktisch 30 Prozent seines Wertes verliert. Noch ärmlicher müssen sich Euro-Besitzer nach Angaben der Statistiker in Japan fühlen, wo ein Euro nur 51 Cent wert ist - düstere Aussichten nicht zuletzt für Fußball-Globetrotter bei der Weltmeisterschaft. In skandinavischen Ländern und der Schweiz fühlt man sich als Bundesbürger nicht erst seit der Euro-Einführung als armer Schlucker.

Der hohe Dollar-Kurs macht aber auch entferntere Regionen teurer. In zahlreichen Staaten kaufen Reiseveranstalter Dienstleistungen in US-Währung ein. Darum müssen Touristen bei Pauschalreisen nach Lateinamerika, in die Karibik oder in bestimmte Länder Asiens schon bei der Buchung mit einem rapiden Schwund der Kaufkraft rechnen. Wer bei Fernreisen profitieren will, sollte sich dieses Jahr für Südafrika, Namibia oder Australien entscheiden. In der näheren Umgebung gibt es mehr fürs Geld vor allem in Ungarn, Tschechien, Bulgarien und der Türkei. Generell sind diese Eckwerte allerdings mit Vorsicht zu genießen. "Wir ermitteln Daten für die Hauptstädte, Ferienorte können teurer oder billiger sein", heißt es beim Statistischen Bundesamt.

Innerhalb der Euro-Zone gibt es mehr teure als billige Ziele. Portugal, Spanien und Griechenland sind geringfügig billiger, Italien, Österreich, Irland und Frankreich dagegen fünf bis zehn Prozent, Finnland sogar 17 Prozent teurer. "Der Euro hat das Reisen in Europa teurer gemacht", sagt die Hamburger Tourismus-Expertin Maren Köster-Hetzendorf. "Vor allem in der Gastronomie haben die Preise spürbar angezogen." Was auch daran liegen könnte, dass die Bürger anderer Euro-Länder beim Kopfrechnen vor ungleich größere Probleme gestellt sind als die Deutschen. Österreicher müssen nach dem Abschied des Schilling ihre alten Preise durch 14 dividieren, um sich neu zu orientieren.

Unter dem Strich profitiert das Urlaubsziel Deutschland von der Währungsumstellung. "Mit der Einführung des Euro wird das traditionell gute Preis-Leistungs-Verhältnis in Deutschland noch deutlicher", sagt Claudia Wagner, Geschäftsführerin des Gesundheits-Spezialisten "Fit-Reisen". Auch Tui und Neckermann loben die Preisstabilität deutscher Ziele, zumal am Mittelmeer die Preise auf breiter Front angezogen haben.

Die Welt ist für die deutschen "Reiseweltmeister" ein teures Pflaster geworden. Das merkt man nicht erst, wenn ein schales Bier in Miami Beach mit umgerechnet fünf Euro zu Buche schlägt. Die Zeiten, in denen es mit einer starken D-Mark im Rucksack Urlaub zum Spottpreis gab, sind nicht erst seit der Einführung des Euro-Bargelds vorbei. Und sie werden nach Einschätzung von Experten auch nicht wiederkommen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar