Wirtschaft : Reisen: Nicht immer ist die Bahn die bessere Wahl

Olaf S,ermeyer

Wer von Berlin nach Frankfurt reisen möchte, hat die Wahl: Entweder er fliegt, oder er nimmt die Bahn. Eine Frage des Preises ist das nicht mehr. Im Gegenteil: Flugreisende können sogar sparen. Verglichen mit dem ICE-Normalpreis der Bahn transportiert die Fluggesellschaft Germania ihre Kunden um sieben Euro billiger.

Der harte Preiskampf unter den Fluggesellschaften drückt die Preise am deutschen Markt. Hinzu kommt, dass das Tarifsystem der Bahn kompliziert und unübersichtlich ist. Nur wer sich genau erkundigt, ist auf der Schiene günstiger unterwegs als in der Luft: bei der Reise von Berlin nach Frankfurt am Main etwa mit einem Guten-Abend-Ticket, das aber erst nach 19 Uhr gilt. Außerdem muss man einmal umsteigen.

Doch die Bahn verspricht Besserung. Am 15. Dezember steht eine Tarifreform an. Das Preissystem soll "familienfreundlich, preiswert und vor allem durchsichtiger werden", sagt Bahnsprecher Steffen Felger. Doch ob die neue Kundenfreundlichkeit der wahre Grund für die Reform ist, bleibt fraglich. Intern heißt es, dass man mit den neuen Tarifen den Passagierfluss besser steuern könne. Und: Zum Jahreswechsel hat die Bahn erstmal die Preise erhöht. Das spricht nicht für eine übergroße Liebe zum Kunden.

Kein Wunder, dass die Deutsche Bahn bei den Verbrauchern einen schweren Stand hat. Nach einer aktuellen Emnid-Studie sind viele Kunden unzufrieden, weil sie die Preise für zu hoch halten. Auf Strecken bis zu 100 Kilometer hat sich der Fahrpreis zum Jahresanfang um 3,8 Prozent erhöht, einzelne Zeitkarten haben sich sogar um bis zu zehn Prozent verteuert. Von der zweistelligen Preiserhöhung sind mehr als 50 000 Bahnkunden betroffen. Noch mehr Kunden nutzen das "Schönes-Wochenende-Ticket". Damit können bis zu fünf Erwachsene samstags oder sonntags bis drei Uhr des Folgetages Züge des Nahverkehrs nutzen. Bisher kostet das Sammelticket 21 Euro - ab dem 1. April 28 Euro: eine Erhöhung um 33 Prozent.

Günstig Bahnfahren lässt sich am besten mit dem "Guten-Abend-Ticket", das für alle Züge gilt. Bedingung: Reiseantritt werktags und sonntags nach 19 Uhr, samstags nach 14 Uhr, Preis: 36 Euro pauschal. Auf langen Strecken ist das günstiger als der Bahncard-Tarif. Inhaber einer Bahn-Card fahren immer zur Hälfte des normalen Fahrpreises. Allerdings kostet die Card 140 Euro für ein Jahr. Wer keine Bahncard hat, sollte für Reisen vor 19 Uhr auf das Surf & Rail-Angebot der Bahn zurückgreifen. Via Internet und mit Bezahlung per Kreditkarte kann der Kunde je nach Strecke etwa 20 Prozent vom Normalpreis sparen. Internet- und Abend-Tickets gibt es immer nur begrenzt. Daher sollte man diese Fahrkarten frühzeitig kaufen. Und: Das Angebot gilt nur für bestimmte Strecken.

Mit einem festen Sparpreis will Connex seine Kunden für die Schiene gewinnen: Das erste privatwirtschaftliche Unternehmen, mit dem es die Deutsche Bahn im Fernverkehr zu tun hat, fährt für 15,35 Euro von Berlin nach Rostock. Mit der DB kostet die Fahrt 33,40 Euro. Der "Interconnex" nimmt diese Verbindung am nächsten Freitag auf.

Den Wettbewerb im Rücken und den Kunden im Angesicht, schult die Bahn ab März ihr Verkaufspersonal. Rund 20 000 Mitarbeiter aus Service und Vertrieb wollen die bahneigenen Personalentwickler mit den neuen Preisen vertraut machen. In einer internen Mitteilung heißt es: "Der Erfolg des künftigen Preissystems hängt auch davon ab, ob jeder Mitarbeiter im Kundenkontakt die neuen Spielregeln verbindlich erklären kann." Die Verbraucher sind gespannt; zumal sich in den letzten Monaten Berichte über fehlerhafte Beratungen in den Reisezentren der Deutschen Bahn häuften - besonders wenn Kunden die Frage nach dem günstigsten Tarif gestellt haben.

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