Wirtschaft : Renten- und Währungsexpertin Maria Klein wertet die gestiegenen Leitzinsen als kontraproduktiv

Björn Theye

Wer sein Anlagerisiko mit einem großen Rentenanteil breit streut, kann derzeit nicht mit allerbesten Erträgen rechnen. Beim neutralen Musterdepot der Bankgesellschaft Berlin steht die Rendite nach zwei Monaten bei mageren 0,57 Prozent. Doch Rendite ist nicht alles: Ein neutrales Depot spricht weder Hazardeure noch Sicherheitsfreaks an, dafür aber Anleger, die erstklassige Bonität und langfristige Erträge interessieren.

Die Devise heißt daher in Berlin derzeit: Halten und Warten. "Wir zahlen im Moment eine - sicher relativ teure - Versicherungsprämie gegen mögliche Turbulenzen an den Aktienmärkten", übersetzt Renten- und Währungsexpertin Maria Klein von der Bankgesellschaft die Verluste bei den Anleihen ins Positive. Für deren Performance macht sie höhere Gewalt geltend. Die robuste Konjunktur in Euroland lässt Kleins Ansicht nach noch für eine ganze Weile keine Gedanken an eine Rentenhausse aufkommen.

Mit dem Näherrücken der Jahrtausendwende und der Angst vor einem ComputerCrash könnte jedoch speziell in den USA eine Flucht in Staatsanleihen einsetzen, die zu Spreadausweitungen an den Kreditmärkten führen könnte. Die US-Zinserhöhung in dieser Woche wertet Klein als "kontraproduktiv", da sie den Marktakteuren die trügerische Sicherheit vermittelt, die US-Notenbank habe für dieses Jahr den Inflationskampf abgeschlossen. Dabei dürfe die Fed einen Anstieg des Dow Jones in neue Rekordregionen sowie die anziehenden Preise nicht gelassen sehen, warnt Klein: "Das Thema ist nicht gegessen."

Die in Dollar notierte Anleihe der Deutschen Ausgleichsbank wurde schon Anfang des Monats zu Gunsten des Euro-Pfandbriefs abgebaut. Auf der Aktienseite des Depots fällt die Bilanz zwar insgesamt rosiger aus, lässt aber noch Spielraum für Verbesserungen. Ein Ruck muss durch die Märkte gehen: "Wir stehen vor dem Umschalten einer zins- und liquiditätsorientierten auf eine ertragsorientierte Bewegung an den Märkten", schaut Michael Schubert, Leiter Aktienstrategie der Bankgesellschaft Berlin, in die Zukunft. "Die Rückgänge am Aktienmarkt hätten nicht sein müssen", kommentiert er die teilweise massiven Abschläge in der jüngsten Vergangenheit, als etwa der Dax bis unter die 5000-Punkte-Marke abtauchte.

Große Veränderungen im Depot sieht Schubert in naher Zukunft nicht kommen, behält sich aber eine kleinere Umschichtung aus US-Aktien in Euroland-Zertifikate vor. Speziell in Deutschland stellt er ein dynamisches Wachstum fest und erwartet durch die Steuerreform zusätzliche Erträge bei den Unternehmen. Der britische Markt sehe fundamental betrachtet gut aus und biete auch technisch nach dem Aufsetzen auf der 200-Tage-Linie wieder Potenzial: Trotz des deutlichen Minus im Portfolio für Schubert eine klare Halteposition. Den japanischen Markt, der das größte Plus zum Depot beigetragen hat, hält Schubert dagegen für zunehmend attraktiver. Hier sei allerdings entscheidend, ob sich die Umlenkung der Kapitalströme aus den USA nach Japan hinein in geordneten Bahnen vollziehe. Einen großen Posten an US-Anteilsscheinen (derzeit 20 Prozent im Portfolio) will Schubert schon aus repräsentativen Gründen halten: Am größten Aktienmarkt der Welt komme kein neutrales Depot vorbei, meint der Experte. Es sei denn, der Markt zeige echte Zeichen von Überhitzung. Aber die kann Schubert zumindest derzeit nicht ausmachen.

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