Wirtschaft : Rentenreform: Die Gewerkschaften drücken aufs Tempo

alf

Das wird sich noch zeigen: Von einem "Signal für die gesamte Wirtschaft" sprachen am Freitag die Tarifpartner aus der Süßwarenindustrie, nachdem sie einen Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen hatten. Für eine Betriebsrente der rund 55 000 Beschäftigten wurde Folgendes beschlossen: Die Altersvorsorge wird aus dem Paket der Tarifrunde 2001 finanziert, zusätzlich zu einer Lohnerhöhung von 2,5 Prozent fließen 0,35 Prozent in die Altersvorsorge. Ob dem Abschluss Modellcharakter zukommt, ist umstritten.

Die IG Metall lehnt eine Verknüpfung von Altersvorsorge und Tarifrunde ab. "Das sind zwei paar Schuhe", meint IG-Metall-Vize Jürgen Peters. Im Übrigen stehen in der Metallindustrie wie in den meisten Branchen im laufenden Jahr keine Tarifverhandlungen an, aber über betriebliche Altersvorsorgemodelle soll so schnell wie möglich verhandelt werden. "Unser Ziel ist es, möglichst bald einen Pensionsfonds für die 3,5 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie aufzubauen", sagt Peters. Dem steht der Arbeitgeberverband Gesamtmetall aufgeschlossen gegenüber. Ein solcher Fonds könne Teil eines Dienstleistungsangebots an die Betriebe sein, müsse allerdings freiwillig bleiben. Eine finanzielle Beteiligung der Arbeitgeber am Aufbau der betrieblichen Altersvorsorge sei "nicht ausgeschlossen, sofern sie aus dem Verteilungsspielraum einer beschäftigungsorientierten Tarifpolitik bestritten wird", heißt es bei Gesamtmetall.

Die Rentenreform erlaubt es den Gewerkschaften, bei Arbeitnehmern Rentenbeiträge einzusammeln und diese in Pensionsfonds zu verwalten. Die IG Metall will vermögenswirksame Leistungen in die zusätzliche Altersvorsorge stecken. Diese Umwandlung von Entgeltbestandteilen koste die Arbeitgeber keinen Pfennnig, argumentiert die Gewerkschaft und lehnt daher Kompensationen zwischen Altersvorsorge und den im nächsten Jahr anstehenden Lohn- und Gehaltsverhandlungen ab.

Dass die Gewerkschaften aufs Tempo drücken hat drei Gründe: Wenn jetzt verhandelt wird, sind die nächsten Lohnverhandlungen nicht betroffen; zum Zweiten soll das Geschäft mit der Altersvorsorge nicht Banken und Versicherungen überlassen werden und schließlich könnten kollektiv ausgehandelte Branchen- oder Betriebsrenten die Attraktivität der Gewerkschaften erhöhen - und deren Macht: Nach Modellrechnungen könnte ein Fonds in der Metallindustrie bis 2010 rund 50 Milliarden Mark schwer sein. Dieses Geld, angelegt in Aktien, würde aus der IG Metall einen Shareholder-value-Protagonisten machen - mit entsprechendem Einfluss auf die Unternehmen. Das ginge Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt denn doch zu weit. Ihm schwebt vielmehr vor, dass die Tarifparteien so genannte Konsortialverträge mit Banken und Versicherungen schließen - "ohne dass die Tarifvertragsparteien Einflussmöglichkeiten auf die Anlagepolitik haben".

0 Kommentare

Neuester Kommentar