Rettung für den Euro : Die Börse feiert den Gipfel

Die Beschlüsse der Euro-Gruppe kommen an den Märkten zunächst gut an – doch Analysten äußern sich trotzdem vorsichtig.

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Nach dem EU-Gipfel stiegen an der Börse die Kurse. Foto: dpa
Nach dem EU-Gipfel stiegen an der Börse die Kurse.Foto: dpa

Berlin - An den europäischen Aktienmärkten sind die Ergebnisse des Euro-Krisengipfels am Donnerstag gefeiert worden. Auch die europäische Gemeinschaftswährung profitierte von den Beschlüssen: Der Euro kostete am Abend 1,4180 Dollar. Mit einem Plus von zuletzt 5,3 Prozent sprang der Deutsche Aktienindex (Dax) bis auf ein Zwölf-Wochen-Hoch bei 6337 Punkten. Ganz oben auf den Einkaufslisten der Anleger standen die Finanzwerte: Commerzbank (plus 16,5 Prozent), Deutsche Bank (plus 15,4 Prozent) und Allianz (plus 7,6 Prozent). Erleichtert nahm die Börse zur Kenntnis, dass die europäischen Großbanken den beschlossenen Griechenland-Schuldenerlass ohne weitere Staatshilfe stemmen wollen. Auch an der französischen Börse griffen Investoren zu, der Leitindex CAC40 stieg um 6,3 Prozent und war damit einer der gefragtesten in Europa. Französische Banken sind besonders in Griechenland engagiert. Ebenfalls mit Kursgewinnen reagierten die US-Börsen zum Handelsauftakt. In New York fand allerdings die Meldung mehr Beachtung, dass die US-Wirtschaft dank der lebhaften privaten Nachfrage zuletzt überraschend stark gewachsen ist.

Die Kommentare der europäischen Marktbeobachter fielen allerdings vorsichtig aus. Die Vorschläge zur Eindämmung der Euro- Schuldenkrise seien ein Anfang, viele Details müssten aber noch geklärt werden, so lautete der Tenor. „Vom großen Wurf kann keine Rede sein“, sagte Anja Mikus, bei der Fondsgesellschaft Union Investment verantwortlich für das Portfolio-Management. Zahlreiche Anleger hatten nach Auskunft von Händlern offenbar mit einem enttäuschenden Gipfelergebnis gerechnet und auf fallende Aktienkurse gesetzt. Am Donnerstag drängten sie nun mit Kaufaufträgen an den Markt. „Dieser Anlagebedarf wird in den nächsten Tagen voll zum Tragen kommen“, sagte Aktienhändler Michael Harbisch von Jefferies. Ob die Ausweitung des Rettungsschirms EFSF über eine Hebelung des verfügbaren Kreditvolumens die Investoren auch langfristig überzeugt, ist aber noch ungewiss. „Es muss sich zeigen, ob die erhöhte EFSF-Feuerkraft ausreicht oder ob sich – wieder einmal – eine als groß(artig) empfundene Gipfellösung wenig später als zu klein(kariert) erweist“, urteilten die Volkswirte der BHF-Bank.

Am Donnerstag überwog aber zunächst der Optimismus. Der Volatilitätsindex V-Dax, der die Nervosität der Investoren misst, fiel zeitweise um mehr als 17 Prozent und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Die gute Stimmung nach dem Krisengipfel schlug sich auch am Anleihe- und Rohstoffmarkt nieder. Die Nachfrage nach risikoarmen deutschen Staatsanleihen sank, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe legte im Gegenzug auf 2,148 Prozent zu. Der Ölpreis stieg kräftig: Das Barrel (159 Liter) kostete zuletzt 111 Dollar.

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