Rhön-Übernahme : Eine heikle Operation

Auf dem Weg zum größten privaten Klinikkonzern ist Fresenius ein gutes Stück weitergekommen. Der Rhön-Vorstand unterstützt die Übernahme. Aber Ärztevertreter und Wettbewerbsexperten sehen den Milliardendeal kritisch.

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Helios betreibt zwei Kliniken in Buch (Bild oben) und Zehlendorf. Die Fresenius-Tochter hat auch ihren Firmensitz in Berlin.
Helios betreibt zwei Kliniken in Buch (Bild oben) und Zehlendorf. Die Fresenius-Tochter hat auch ihren Firmensitz in Berlin.Foto: promo

Berlin - Der Gesundheitskonzern Fresenius ist auf seinem Weg, den größten deutschen privaten Klinikbetreiber zu schmieden, ein gutes Stück vorangekommen. Der Vorstand von Rhön-Klinikum, der die geplante Übernahme durch Fresenius anfangs skeptisch gesehen hatte, hat seinen Widerstand aufgegeben und empfiehlt den Aktionären jetzt, auf das Übernahmeangebot des Dax-Konzerns einzugehen. Eine ausführliche Begründung soll in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Am Montag trifft sich der Rhön-Aufsichtsrat, um ebenfalls über die Übernahmeofferte zu entscheiden. Aufsichtsratschef Eugen Münch, der die Klinikkette einst gegründet hatte, hat Fresenius jedoch bereits öffentlich unterstützt und erklärt, dass sich die Familie Münch von ihrer 12,45-prozentigen Beteiligung trennen wird.

Fresenius bietet den Rhön-Aktionären 22,50 Euro pro Aktie. Insgesamt will der Konzern 3,1 Milliarden Euro in die Hand nehmen, um den privaten Klinikbetreiber zu übernehmen. Anschließend soll Rhön mit der Fresenius-Tochter Helios verschmolzen werden. Helios hat seinen Unternehmenssitz in Berlin und betreibt Kliniken in Buch und Zehlendorf. Rhön ist in Berlin nicht vertreten. Mit der Fusion würde der größte private Klinikbetreiber in Deutschland entstehen. Helios und Rhön kämen zusammen auf einen Marktanteil von sieben bis acht Prozent am Klinikmarkt. Die meisten Krankenhausbetten stehen jedoch nach wie vor in Häusern öffentlicher Träger. Von den 500 000 Klinikbetten in Deutschland entfallen derzeit lediglich 83 000 auf private Krankenhäuser, die meisten dagegen auf kommunale oder Unikliniken.

Wettbewerbsexperten sehen daher auch keine großen kartellrechtlichen Probleme für die Übernahme. Auf den ersten Blick klinge es zwar dramatisch, wenn der größte private Klinikkonzern geschmiedet werde, sagte Klaus Holthoff-Frank von der Monopolkommission dem Tagesspiegel. Kartellrechtlich könnte es aber weniger Probleme geben als befürchtet, etwa weil die Überschneidungen bei den regional abgegrenzten Märkten gering seien. Notfalls müssten einzelne Häuser verkauft werden. „Wettbewerbspolitisch wäre die Fusion gleichwohl nicht wünschenswert, weil bei einer abnehmenden Zahl privater Klinikbetreiber auch die Chancen auf zukünftigen Wettbewerb sinken“, warnte der Wettbewerbsexperte.

Auch Ärztevertreter sehen die Fusionspläne kritisch. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hält das neue Klinikkonglomerat gar für „hochgefährlich“. Es bestehe die Gefahr, dass sich Fresenius – Weltmarktführer im Dialysebereich, Hersteller von Medikamenten und künstlicher Ernährung – zum Anbieter von Rundumversorgung entwickele, sagte Montgomery dem „Deutschen Ärzteblatt“. Ein solcher Konzern würde nicht nur über die Krankenhäuser verfügen, sondern auch ambulante Versorgung, Medikamente und Hilfsmittel anbieten. So könne der neue Konzern letztlich die Versorgung der Patienten selbst bestimmen.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung ist alarmiert. „Es bleibt zu hoffen, dass die kapitalgesteuerten Interessen nicht die Oberhand behalten“, sagte Sprecher Roland Stahl dem Tagesspiegel. „Gesundheit ist kein Gut wie ein Auto“. Dagegen zeigen sich die Kassen gelassen. Da der größte Teil der Kliniken nach wie vor in kommunaler oder konfessioneller Hand sei, gebe es keinerlei Gefahr für „faire Verhandlungen und Entgelte“, sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands Florian Lanz dem Tagesspiegel.

Die größte Hürde für Fresenius dürfte darin liegen, 90 Prozent der Aktien zusammenzubekommen. Das ist nötig, weil nach der Rhön-Satzung alle wichtigen Entscheidungen eine entsprechende Mehrheit voraussetzen. Gelingt das nicht, ist der Deal geplatzt. Mit Anzeigen in Tageszeitungen hat Fresenius am Donnerstag daher um die Gunst der Kleinaktionäre geworben und will diese Aktion bis zum Ende der Angebotsfrist am 27. Juni wiederholen. Obwohl der Kurs der Rhön-Aktie am Freitag mit 22,02 Euro noch leicht unter der Übernahmeofferte lag, haben erst 0,21 Prozent der Aktionäre das Kaufangebot angenommen. Fresenius beunruhigt das nicht. Erfahrungsgemäß würden sich viele Aktionäre erst spät entscheiden, sagte ein Sprecher, betonte aber zugleich, dass der Konzern sein Angebot später keinesfalls noch einmal aufstocken werde.

Dass der Rhön-Vorstand jetzt plötzlich aufseiten von Fresenius steht, dürfte daran liegen, dass die Fresenius-Spitze in einer Grundsatzvereinbarung Mitarbeitern und Führungskräften eine Zukunft im neuen Konzern zusichert. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen sich die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter nicht wesentlich ändern. Das gilt auch für die Führungskräfte von Rhön. Sie sollen im „weiteren Führungskreis“ angemessen vertreten werden.

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