Wirtschaft : Richtig genießen

Nicole Heissmann

Der Schauspieler und Autor Orson Wells hasste es, wenn sein Champagnerglas nicht richtig kalt war: „Es gibt drei Dinge im Leben, die unerträglich sind: kalter Kaffee, lauwarmer Champagner und eine überreizte Frau.“ Nach allen Regeln der Kunst gekühlter Champagner sollte eine Trinktemperatur von etwa acht Grad im Glas haben, dafür muss die Flasche zuvor auf sechs Grad vorgekühlt werden. Nur kräftige Champagner mit einem höheren Anteil blauer Trauben können bis zu zwölf Grad vertragen. Zum Kühlen stellt man die Flasche 20 Minuten vor dem Trinken in einen Kübel mit Eis und Wasser. „Man kann Champagner auch am Vorabend schon in den Kühlschrank legen – aber dann lässt man möglichst die Tür zu“, rät Champagner-Experte Alain Fion. Das Licht und die Wärmeschwankungen bei jedem Türöffnen schadeten dem empfindlichen Getränk. Auf keinen Fall dürfe die Flasche im Eisfach schnell heruntergekühlt werden, weil der Kälteschock die Aromen angreife.

Serviert wird Champagner stilgerecht in Gläsern mit Tulpenform oder in Flöten – nicht in weiten Schalen, darin verflüchtigen sich Kohlensäure und Aroma zu schnell. Ein schmaler Kelch führt das Bouquet besser zur Nase. Damit die Gläser keine Seifenrückstände haben, sollten sie vorher mit klarem Wasser ausgespült und mit einem sauberen Tuch abgetrocknet werden. Zum Servieren nimmt man die Flasche aus dem Kübel und wischt sie behutsam mit einer Serviette etwas trocken. Das Öffnen sollte feierlich still vonstatten gehen: Ein fröhliches „Plopp“, mit dem Michael Schumacher nach dem Formel-1-Sieg den Korken knallen lässt, hat beim Servieren des Champagners zu Hause nichts zu suchen. Stattdessen wird der Korken mit dem Daumen der linken Hand festgehalten, während die rechte Hand sanft die Flasche dreht. Nur ein leises „Seufzen“ der Kohlensäure sollte beim Öffnen hörbar sein. Danach füllt man die Gläser in zwei bis drei Etappen, insgesamt höchstens zu zwei Dritteln, damit ausreichend Platz für das Bouquet bleibt.

Lagern muss man Champagner eigentlich nicht: Gekaufter Champagner ist bereits trinkreif. Will man trotzdem einen Vorrat im Haus haben, legt man die Flaschen idealerweise in einen Weinkeller, in dem höchstens 15 Grad herrschen. Die Luft sollte etwas feucht sein, damit die Korken nicht austrocknen und kein Aroma verloren geht. Unter guten Bedingungen halten sich Literflaschen bis zu fünf, Magnumflaschen sogar bis zu zehn Jahre. Dunkel muss es auf jeden Fall sein, denn Licht ist Gift für die Aromamoleküle in der Flasche: „Die UV-Strahlung zerstört das Bouquet des Champagners, das führt im schlimmsten Fall zu einer Art Faule-Eier-Geschmack“, sagt Fion. Zwar filtert das Glas der grünen Flaschen einen Teil der UV-Strahlung, trotzdem sollte man schon beim Einkauf darauf achten, dass die Flaschen nicht zu lange grellem Neonlicht ausgesetzt waren.

Angebrochene Flaschen stellt man in den Kühlschrank und versieht sie mit einem Metallbügelverschluss, damit Kohlensäure und Geschmack erhalten bleiben. So hält sich angebrochener Champagner zwei bis drei Tage. Der Mythos vom Löffel im Flaschenhals hat sich allerdings endgültig überlebt: „Der Löffel bringt überhaupt nichts, egal, ob er aus Silber, Gold oder Blei ist“, sagt Alain Fion.

Den Champagnerkorken als Verschluss bekommt man in der Regel kaum wieder in die Flasche. Man kann ihn aber verschenken, zum Beispiel an eine Dame: Angeblich soll die Beschenkte nach drei Nächten mit dem Korken unter ihrem Kopfkissen von dem Mann träumen, den sie einmal heiraten wird.

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